Teures Lächeln – Das Geschäft mit den Zähnen

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„Schöne Zähne sind die beste Visitenkarte“, heißt es. Doch wird ein strahlendes Lächeln immer mehr zum unerschwinglichen Luxus? Die Moderatoren Caro Matzko und Fero Andersen haken nach und geben Tipps, worauf Patienten achten sollten, damit der Besuch beim Zahnarzt nicht zum finanziellen Risiko wird.  

Probleme mit den Zähnen? Das kann teuer werden

Heute müssen auch Kassenpatienten oft tief in die Tasche greifen. Zahnmedizin ist inzwischen ein Markt mit einem Umsatz von rund 13 Milliarden Euro. Viele Patienten sind verunsichert. Die Kassen bezahlen nur medizinisch notwendige Therapien, viele  Ärzte raten zu mehr. Die Höhe der Kassenleistungen hängt davon ab, ob und wie regelmäßig selbst vorgesorgt wird. Eigenverantwortung ist gefordert.

Doch wo lohnt es sich zu investieren, was ist überteuert und vielleicht sogar Abzocke? Viele Behandlungen, wie zum Beispiel Implantate, müssen Patienten komplett aus  eigener Tasche bezahlen. Ob die medizinisch immer notwendig und vor allem, ob sie teuer oder preiswert sind, das kann der Laie kaum beurteilen.

Zahnbehandlungen: Informieren, nachfragen, vergleichen

Selbst wer nicht vorhat, eine zweite Meinung einzuholen, sollte sich eingehend vor dem Besuch beim Zahnarzt informieren. Zahnärzte sind verpflichtet, über die Notwendigkeit, die Vor- und Nachteile und auch über die Kosten von Behandlungen detailliert aufzuklären. Es lohnt sich, dabei immer nach den Behandlungen zu fragen, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Auch finanzielle Aspekte sollten dabei offen angesprochen werden, empfiehlt die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung. Wie auch die Bundeszahnärztekammer rät sie außerdem dazu, sich bereits im Vorfeld über geplante Behandlungen zu informieren.

Kostenkontrolle: Portal der Verbraucherzentralen

Zahnerhaltung hat für die überwiegende Zahl der Ärzte Priorität vor Zahnersatz. Im Angebot zahnärztlicher Fort- und Weiterbildung gibt es immer wieder auch Kurse privater Anbieter, die Marketingaspekte zum Thema haben. Gewinnmaximierung und verantwortliche Zahnmedizin, besonders für jüngere Ärzte scheint das kein Gegensatz zu sein. Inzwischen gibt es sogar schon Startup-Unternehmen, die für Patienten einen Online-Check ihrer Heil- und Kostenpläne anbieten.

Fero Andersen nimmt die Verkaufsstrategien von Zahnärzten unter die Lupe.

Fero Andersen nimmt die Verkaufsstrategien von Zahnärzten unter die Lupe.

Die Verbraucherzentralen fordern schon lange von der Politik, dass Beschwerden von Patienten seitens der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen und Zahnärztekammern transparent und öffentlich zugänglich dokumentiert werden sollen – bisher ohne Erfolg. Nur so ließe sich verfolgen, wie viele Beschwerden es gibt, welche Bereiche sie betreffen, wie sie aufgearbeitet werden und ob sich schließlich konkrete Veränderungen daraus ergeben. Mit einem neuen Portal wollen die Verbraucherzentralen das jetzt ändern. Außerdem finden sich hier Tipps, damit der Zahnarztbesuch nicht zum finanziellen Fiasko wird.

Der Zahnputzcheck: Richtig Putzen

In der Münchner Fußgängerzone laden Caro Matzko und Fero Andersen Passanten ein, ihre Zähne zu putzen und das Ergebnis anschließend von unserem Experten  überprüfen zu lassen. Wie steht es um die Zahnhygiene, putzen die Deutschen gut? Nein, meint Professor Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke, einer der Experten für Zahnhygiene hierzulande. Nur zwei Prozent der Deutschen putzen so, dass keine Beläge zurückbleiben.

Untersuchung in der Fußgängerzone

Zahnuntersuchung in der Fußgängerzone

Beläge sind für Bakterien optimaler Lebensraum, um sich massenhaft zu vermehren. Rund eintausend Bakterienarten leben im Mund, rund zehn sind für die Entstehung von Karies verantwortlich. Klar, alle Bakterien wegzuputzen, das schafft keiner. Die Bakterien zu reduzieren, darum geht es. Und noch ein Argument für gründliches und regelmäßiges Zähneputzen gibt es.

»Wir wissen heute, dass Bakterien und Krankheitserreger aus dem Mund über das Zahnfleisch in den Blutkreislauf gelangen und dort zu Erkrankungen führen können. Auch deshalb ist es wichtig, seine Zähne gut zu pflegen.«

Prof. Dr. med. dent. Stefan Zimmer, Zahnarzt, Universität Witten/Herdecke

Zahnfüllungen: Welche Allergie-Risiken bergen sie?

Zahnprothesen und Zahnfüllungen sind und bleiben Fremdkörper, egal aus welchem Material sie sind. Standardfüllmaterial für Zahnfüllungen sind inzwischen sogenannte Kompositfüllungen. Sie sind weiß,  werden als formbare Masse in den Zahn eingebracht und anschließend mit speziellem Licht ausgehärtet. Oft werden mehrere Schichten nacheinander aufgetragen. Eine aufwändige Prozedur, für die einiges spricht.

»Komposite müssen verklebt werden, das ist ein Nachteil, aber auch ein großer Vorteil, denn sie bieten sich eben an für minimalinvasive Eingriffe, so dass nicht zusätzlich Zahnhartsubstanz geopfert werden muss.«

Prof. Dr. med. dent. Wolfgang Buchalla, Zahnerhaltung und Parodontologie, Universität Regensburg

Bild von Zähnen mit Füllung

Welche Materialien lösen Allergien aus?

Methacrylate in Kompositen: Klebstoffe mit allergischem Potenzial

Am Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität München forscht der Dentaltoxikologe Prof. Dr. Franz Xaver Reichl über Zahnfüllmaterialien und ihre Wirkungen auf den Körper. Unverträglichkeiten und Allergien auf viele Materialien sind bekannt. Besonders oft kommt es bei Nickelverbindungen zu allergischen Reaktionen,  weniger oft beispielsweise bei Gold und selbst bei Amalgam sind echte allergische Reaktionen selten.

Doch wie schaut es aus bei modernen Kompositen? Komposite bestehen aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Stoffe. Problematisch sind vor allem die Methacrylate in den Klebstoffen. Auch wenn der Zahnarzt vorschriftsmäßig arbeitet, können Moleküle aus den Füllungen austreten.

»Hauptinhaltsstoffe sind ja Methacrylate oder Monomere, wie wir sie nennen. Und die werden mit Licht gehärtet. Aber die Härtung ist nie einhundertprozentig, etwa nur fünfzig Prozent werden tatsächlich ausgehärtet. Das bedeutet, sie verbinden sich zu langen Reihen. Man kann sich das vorstellen wie bei einem Mikado-Spiel: Die Moleküle verbinden sich zu langen Reihen, aber dazwischen bleiben immer Räume, in denen sich ungebundene Moleküle befinden. Die können ausgewaschen werden. Und dadurch können auch Nebenwirkungen erst verzögert auftreten.«

Prof. Dr. rer. nat. Dr med. Franz Xaver Reichl, Dentaltoxikologe, Internationales Beratungszentrum für die Verträglichkeit von Zahnmaterialien, Universität München

Internationales Beratungszentrum für die Verträglichkeit von Zahnmaterialien:

Weltweit einzigartige Datenbank für Allergiker und Ärzte

Im Internationalen Beratungszentrum für die Verträglichkeit von Zahnmaterialien, dem Professor Franz Xaver Reichl vorsteht, gibt es inzwischen eine weltweit einzigartige Datenbank über Inhaltsstoffe von Zahnmaterialien. Zwar müssen alle Stoffe, bevor sie in Umlauf kommen, als Medizinprodukte zugelassen werden, doch alle einzelne Inhaltsstoffe sind nur in wenigen Fällen bekannt. Im Institut in München werden Zahnmaterialien deshalb analysiert.

Patient beim Allergietest

Patient beim Allergietest

Patienten, bei denen eine Allergie festgestellt wurde, können hier gezielt nachfragen, welche Materialien für sie in Frage kommen. Bei einer Allergie auf Methacrylate ist das besonders wichtig, denn diese Stoffe werden auch in Zahnprothesen und Suprakonstruktionen von Implantaten eingesetzt und kommen beispielsweise in Knochenzementen bei Hüftprothesen vor.

Allergie ja oder nein?

Eindeutig festgestellt werden kann eine Allergie oder Unverträglichkeit mit einem sogenannten Epikutan-Test. Dazu werden definierte Proben des Materials auf den Rücken des Patienten aufgetragen. Erfolgt eine Reaktion, handelt es sich um eine Allergie. Allerdings sollten Patienten solche Tests unbedingt nur von ausgewiesenen Experten durchführen lassen. Andere Testverfahren sind auch im Fall von Methacrylaten wissenschaftlich nicht belegt.

Gesichert ist: Insgesamt entwickeln rund ein bis zwei Prozent der Patienten Allergien auf Methacrylate. Ob ihre Zahl ansteigt, ist noch nicht klar. Wie genau diese Monomere auf die Körperzellen wirken, wird gegenwärtig intensiv erforscht. Mehr

Amalgam: Ist es giftig?

Amalgam scheint aus der Mode gekommen zu sein, denn auch im Studium der Zahnmediziner spielen Amalgamfüllungen nur noch am Rande eine Rolle. Nur wenige Tage praktischer Übung stehen im Studium auf dem Programm. Ein Grund: es gibt kaum noch Patienten, die solche Füllungen wollen. Dabei ist Amalgam extrem haltbar, leicht zu verarbeiten und günstig. Aber ist es giftig? Nein, meint Prof. Reichl:
Amalgam ist ein sehr gut untersuchtes Füllmaterial. Zwar gibt es Allergien auf Amalgam, aber die sind selten. Amalgam ist ein Material, das ohne Probleme verarbeitet werden kann.“

Kostenschutz durch Zusatzversicherungen?

Patienten, die sich vor finanziellen Risiken schützen wollen, schließen oft eine Zahnzusatzversicherung ab. Aber Vorsicht, denn der Teufel steckt, wie so oft im Detail. Manch einer merkt erst, wenn es ans Bezahlen geht, dass sein Vertrag der falsche ist. Eine Beratung bei den Verbraucherzentralen lohnt sich, bevor man eine Versicherung abschließt.

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