Neue Eindrücke gewonnen: Zahnärztin in Heeresuniform an Bord

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Seit knapp zwei Monaten verrichtet Oberstabsarzt Denise Pulsack-Pytel mit ihrer Assistentin Obermaat Natascha Schallenberg als Zahnarzt-Team ihren Dienst an Bord der Fregatte „Hamburg“. Für das Team eine doppelte Umstellung.

Die Fregatte „Hamburg“ ist Flaggschiff des Einsatz- und Ausbildungsverbandes der Marine.

Die Fregatte „Hamburg“ (Quelle: 2014 Bundeswehr / Sophie Fiebeler)Größere Abbildung anzeigen

Denn solange der Einsatzgruppenversorger (EGV) „Frankfurt am Main“ noch den Einsatz- und Ausbildungsverband begleitete, war das Zahnarzt-Team in der wohlausgestatteten Bordzahnstation des EGV untergebracht. Nun muss sich das Team an Bord der Fregatte mit einer bescheideneren Ausstattung begnügen.

Für Oberstabsarzt Pulsack-Pytel ist es das erste Mal, dass sie ihren Dienst an Bord verrichtet. Normalerweise arbeitet sie im Fachsanitätszentrum in Idar-Oberstein. Obermaat Schallenberg gehört dem Fachsanitätszentrum im Marinestützpunkt Wilhelmshaven an. Sie kennt die Marine schon besser und hat schon einmal eine kurze Seefahrt an Bord der Fregatte „Hamburg“ mitgemacht.

Erste Eindrücke an Bord

Was mir sofort an Bord auffiel, waren die Lüftergeräusche, die in jedem Raum jederzeit zu hören sind und dass ich unbedingt eine Armbanduhr brauche, denn ohne findet man sich in der Bord-Routine gar nicht zurecht. Die nette und hilfsbereite Besatzung half mir schnell, mich auf der Fregatte zurechtzufinden. Wenn ich nach dem Weg fragen musste, so ein Schiff ist ja nicht gerade klein, hieß es gleich „einfach mitkommen, ich zeig’ es ihnen schnell“. Das war super,“ schildert Pulsack-Pytel ihre ersten Eindrücke.

Als Vorbereitung auf den Einsatz auf der „Hamburg“ war Oberstabsarzt Pulsack-Pytel für eine Woche zur Bordeinweisung im Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine in Kronshagen und am Einsatzausbildungszentrum Schiffsicherung in Neustadt/Holstein. Während in Kronshagen die Einweisung in die Handhabung der Bordzahnstation stattfand, standen in Neustadt Theorie und Praxis der Schadensabwehr an Bord auf dem Lehrplan.

Zahnarzt für alle im Verband

Täglich von 10 bis 20 Uhr ist Zahnarzt-Sprechstunde an Bord. Meist handelt es sich um routinemäßige Zahnarztbesuche der Besatzungsangehörigen Läuft der Verband in einen Hafen ein, wird der zahnärztliche Service allen Angehörigen des Verbandes zur Verfügung gestellt. Notfallbehandlungen werden auch außerhalb der regulären Sprechstunden durchgeführt und so kann es schon einmal vorkommen, dass für einen Patienten eines anderen Schiffes des Verbandes ein Bootstransfer organisiert wird, um ihm so schnell wie möglich behandeln zu können. Das Spektrum der an Bord möglichen Behandlungen reicht von kleineren Reparaturen wie Füllungen über Wurzelbehandlungen bis hin zu kleineren chirurgischen Eingriffen.

Oberstabsarzt Denise Pulsack-Pytel und ihre Assistentin bei der Behandlung eines Patienten.

Zahnbehandlung auf engstem Raum (Quelle: 2014 Bundeswehr / Reiner Pfeffer)Größere Abbildung anzeigen

Behandlungen zwischen Statistiken und Desinfektion

Neben den zahnärztlichen Behandlungen fallen an Bord natürlich auch eine Reihe von Routinearbeiten an. Das Führen der Zahnakten, das Erstellen von Dokumentationen und Statistiken, die Desinfektion und Sterilisation der Geräte und Apparate und die Materialverwaltung sind nur einige der Tätigkeiten, die zwischen den Behandlungsterminen bewältigt werden müssen.

Prinzipiell unterscheidet sich die Arbeit der Zahnarzt-Assistentin in der Bordzahnstation nicht von der Arbeit in einer Zahnarzt-Praxis an Land. Teilweise hat man sogar eine bessere Ausstattung,“ berichtet Obermaat Schallenberg.

Schiffsarzt und Zahnarzt auf der Fregatte „Hamburg“.

Zuständig für die Gesundheit an Bord (Quelle: 2014 Bundeswehr / Reiner Pfeffer)Größere Abbildung anzeigen

Kameradschaft an Bord

Der Leiter des Sanitätsabschnittes an Bord der „Hamburg“, Oberstabsarzt Andreas Hintze und sein Sanitätspersonal, kennen sich mit den Erfordernissen und Bedürfnissen eines eingeschifften Zahnarzt-Teams bestens aus. Denn auch die Schiffsärzte werden in der zahnmedizinischen Notfallversorgung ausgebildet und lernen hierbei die Bordzahnstation kennen.

Die Bedürfnisse eines eingeschifften Zahnarztes werden während der Ausbildung praktisch veranschaulicht. Die Integration in den Sanitätsabschnitt war daher sehr leicht und wurde hierbei noch durch die freundliche Art und den kameradschaftlichen, sowie kollegialen Umgang miteinander vereinfacht. Die Integration beginnt schon vor der Einschiffung an Bord, da vor allem zuvor wichtige Absprachen getroffen werden müssen. Zusammenfassend sagt Oberstabsarzt Hintze: „Es macht Spaß mit „meinem“ Zahnarzt-Team zusammen zu arbeiten.

Oberstabsarzt Denise Pulsack-Pytel und ihre Assistentin Obermaat Natascha Schallenberg sind für die Zahnbehandlung an Bord der Fregatte „Hamburg“ zuständig.

Das Zahnarzt-Team (Quelle: 2014 Bundeswehr / Reiner Pfeffer)Größere Abbildung anzeigen

Heeresuniform im Tausch gegen BGA

Das die Fregatte „Hamburg“ kein Kreuzfahrt- sondern ein Kriegsschiff ist, zeigt sich auch bei dem regelmäßig durchgeführten Gefechtsdienst. Da Oberstabsarzt Pulsack-Pytel normalerweise die Heeresuniform trägt, war die Teilnahme am Gefechtsdienst an Bord einer seegehenden Einheit eine besondere Erfahrung.

Zu Anfangs blieb mir beim Gefechtsdienst nichts anderes übrig, als mich wie ein Schatten hinter dem Schiffsarzt zu bewegen und jede seiner Tätigkeiten genau zu beobachten. Bei dem routinierten und eingespielten Personal des Schiffsarztes hatte ich da schon manchmal das Gefühl, im Weg zu stehen,“ erzählt die Ärztin. Besonders beeindruckt zeigte sie sich von der Leistung der Besatzung. Vor allem die der Seewächter, die in ihrem Schichtrhythmus mit wenig Schlaf über mehrere Wochen stets die gleiche hohe Leistung bringen und jederzeit bereit sind, auch in ihrer „Freizeit“ bei Not am Mann an Ort und Stelle zu sein.

Offiziere der Fregatte „Hamburg“ angetreten zum Einlaufen in Kopenhagen.

Einlaufen in Kopenhagen (Quelle: 2014 Bundeswehr / Reiner Pfeffer)Größere Abbildung anzeigen

Auf jeden Fall wieder

Die Hafenaufenthalte nutzte Oberstabsarzt Pulsack-Pytel für ausgedehnte Spaziergänge und Ausflüge in die nähere Umgebung der besuchten Häfen in Dänemark, Finnland und Schweden. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, wieder an Bord eines Marineschiffes einzusteigen, sagt sie ohne zu zögern: „Ja, auf jeden Fall. Ich finde es, neben meiner Tätigkeit als Zahnärztin an Bord, unheimlich spannend, einmal einem Schiffsarzt bei seiner Arbeit über die Schulter schauen zu können, wie zum Beispiel bei der Behandlung von Schnittverletzungen an den Händen.

Fast schon schwärmerisch resümiert Oberstabsarzt Pulsack-Pytel: „Das Leben an Bord hat schon ein paar besondere Herausforderungen, bietet aber durchaus auch viele schöne Seiten. Faszinierend fand ich unter anderem auch das ständige leichte Schaukeln, an das ich mich selbst beim Einschlafen erst gewöhnen musste. Mittlerweile glaube ich aber, dass ich das zu Hause als Erstes vermissen werde.“ So wird es für die Zahnärztin Oberstabsarzt Denise Pulsack-Pytel bestimmt einmal wieder heißen: „Willkommen an Bord, Frau Oberstabsarzt!“

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