wenn sich ein Zahnarzt als Motorenbauer versucht

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Es gibt sie schon, die Zahnärzte, die nicht jedes Wochenende auf dem Golfplatz steht. Aber dass jemand lieber schraubt als puttet, und eher Ölränder an den Fingernägeln hat als mit weißen Handschuhen das Caddy zieht ist wahrlich nicht alltäglich!

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Wieso eigentlich? „Bei einem überlasteten Drehmoment reißt der Bolzen an der Schraube. Das ist zahntechnisch bei einem Implantat nicht anders“, erklärt der 53-Jährige. Außer an Motoren rumzutüfteln, zählt der Vater dreier erwachsener Burschen Segeln, Skifahren und den Modellflug zu seinen Hobbys.

Aber wie kommt ausgerechnet ein Zahnarzt zum Bau von Motoren? Da kommt zunächst ein Citroen Traction Avant, Baujahr 1954, mit Vorderradantrieb ins Spiel, den der Zahnarzt vor 18 Jahren geschenkt bekommen hat. Mit den Wartungsarbeiten wachsen Zusammenhänge und Verständnis für einen Motor. Und das Interesse an der Arbeit eines Mechanikers. Gleichgesinnte lernte Kurt Vialon bei einem Schraubertreff kennen. Mittlerweile war auch klar, dass der Oldie einen neuen Motor nötig hat. Und da boten sich wiederum zwei Alternativen an. Ein Sechszylinder Motor, bei dem Kurbelwelle, die Kolben und die Pleuelstangen ersetzt werden müssten. Oder zwei Vierzylindermotoren. Der Hobby-Mechaniker entschied sich für Letzteres. Und studierte da zunächst eine Abhandlung, die genau beschrieben hatte, wie in Österreich versucht wurde, zwei Motorblöcke zusammenzuschweißen. Der Versuch misslang, weil sich der Aluguss beim Schweißen verzogen hatte. Der Motor hatte nicht mehr gepasst.

Vialon holte sich Rat bei Michl Lutz, dem Motorenbauer aus Steingaden, und bei Alexander Hana in Schongau. Die Experten wussten Rat. Die beiden Motorblöcke nicht miteinander verschweißen, sondern elastisch miteinander verbinden. Zuvor musste allerdings von dem einen Vierzylinder der erste und vom anderen der letzte Zylinder weggeschnitten werden. So wurde aus den beiden Dreizylindermotoren ein Sechszylindermotor. Und der passt zentimetergenau in den Motorraum. Ein kleines technisches Wunderwerk, das auf Anhieb gelaufen ist. „Der Weg ist das Ziel“, strahlt der Zahnmediziner. Mehrere hundert Stunden habe er getüftelt und gearbeitet. Kurt Vialon ging es bei seiner Arbeit aber nicht allein darum, einen Motor für seinen Oldie zu bauen. „Die französische Kultur zu erhalten, das ist es, was mich immer wieder angetrieben hat“, sagt der Zahnarzt, der seit 1986 in Schongau praktiziert. Sein jüngster Spross, der 21-jährige Johannes, teilt übrigens die Begeisterung seines Vater. Der Abiturient ist dabei, einen alten, sehr ramponierten Lastwagen wieder fahrtüchtig zu machen. „Es freut mich, wenn er in meine Fußstapfen tritt“, schmunzelt Vater Kurt.

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