Zahnrettung in der Mongolei

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Was treibt einen Zahnarzt an, für drei Wochen in Münster seine Praxis zu schließen und in ärmlichen Dörfern im Hochland der Mongolei unter spartanischen Verhältnissen zu leben und von morgens bis abends Füllungen zu setzen und Zähne zu ziehen? Ludger Steinhaus lächelt und öffnet auf seinem Laptop Bildergalerien, die Einblick in eine andere Welt geben. „Es ist der große Reiz, in eine völlig fremde Kultur einzutauchen und gleichzeitig Menschen zu helfen“, sagt er. Über die Vereinigung „Zahnärzte ohne Grenzen“ hat er sich erstmals gemeinsam mit 43 anderen deutschen Zahnärzten auf den Weg in das riesige Land zwischen Russland und China gemacht.

Fast drei Tage lang war er mit Flugzeugen und anschließend über holprige Pisten unterwegs, bis er an den ersten der beiden Einsatzorte in Bayantsagaan auf 2200 Metern Höhe ankam. Ein Dorf aus Jurten, die um ein paar offizielle Gebäude aus Stein gruppiert sind, darunter das kleine Krankenhaus, in dem sich Steinhaus gemeinsam mit drei weiteren Zahnärzten und einem Dolmetscher für eine Woche ein Zimmer teilen sollte. In zwei Behandlungszimmern hatte die Hilfsorganisation Behandlungsliegen samt -werkzeug vorbereitet.

Die Zahnärzte wurden bereits sehnlichst erwartet. Zur Feier des Tages, erzählt Steinhaus, wurde gleich eine Ziege geschlachtet. Einer der wichtigsten Nahrungsproduzenten. Fleisch gibt es fast täglich, da Gemüse und Obst in dem kargen Hochland Mangelware sind. Für die Zähne der Bewohner wäre das kein Problem, wohl aber der Konsum von westlichen Süßigkeiten, die seit der politischen Öffnung der Mongolei in den 90er-Jahren ins Land gekommen sind. Sehr zum Leidwesen vor allem der Kinder, deren Gebisse „oft schon im Grundschulalter kariös sind. Denn über den Sinn und Zweck von Zahnpflege sind die wenigsten aufgeklärt“, hat Steinhaus, der täglich 40 bis 50 Patienten behandelte, erfahren müssen. „Bereits bei Sechsjährigen hatten schon die ersten bleibenden Backenzähne Karies.“ Leider musste der münsterische Mediziner nicht nur Kunststoff-Füllungen setzen, sondern bei vielen Erwachsenen auch Zähne ziehen. Steinhaus: „Wir haben vielen Patienten Schmerzen genommen und viele Zähne für die Zukunft gerettet.“ Insgesamt 7200 Patienten haben die 44 deutsche Zahnärzte in elf Teams an unterschiedlichen Standorten behandelt.

Fasziniert hat Steinhaus, mit welcher Gelassenheit und Tapferkeit die Einheimischen ihr Leben meistern. Und die Erkenntnis, „dass man nicht gegen die Natur, sondern nur mit der Natur leben kann.“ Da es kein Holz gibt, wird mit getrocknetem Dung Feuer gemacht, um zu kochen oder zu heizen. 35 Grad im Sommer und minus 40 Grad im Winter – die Menschen dort sind Überlebenskünstler. „Ich habe gestaunt, was man alles Essbares aus Ziegen-, Stuten- oder Kamelmilch machen kann“, erzählt Steinhaus.

Allerdings habe der Klimawandel, der die Wetterextreme verstärkt habe, zu einer hohen Sterblichkeit bei den Viehbeständen geführt. Und da sich viele Menschen keine neuen Tiere leisten können, weiß der Mediziner, „führt das dazu, dass viele Nomaden ihr gewohntes Leben aufgeben und mit ihren Jurtenzelten in die Hauptstadt ziehen.“

Steinhaus, soviel steht für ihn jetzt schon fest, „wird es jedenfalls noch einmal zu einem Einsatz nach Asien ziehen“.

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