Zahnarzt behandelt Kinder in Indien

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Michael Drechsel aus Hormersdorf ist Zahnarzt aus Leidenschaft

Fern seiner Heimat haben sich hunderte Kinder auf Michael Drechsel gefreut. Sie empfingen ihn mit Blumen, Geschenken und lächelnd. Wohl wissend, dass ihnen der Mann aus Deutschland auch Schmerzen bereiten kann. Denn Michael Drechsel ist Zahnarzt. Seine Praxis hat er in Hormersdorf. Im März besuchte der 54-Jährige zum dritten Mal Indien, um dort zu helfen. Über die Organisation Zahnärzte ohne Grenzen war er im nördlich gelegenen Bundesstaat Andhra Pradesch für drei Wochen in drei Kinderdörfern im Einsatz. Am Mittwoch berichtete er im Gasthof „Zum Löwen“ vor heimischem Publikum. 70 Gäste haben sich dafür interessiert.

Das Herrichten der Praxis in Indien ging diesmal reibungslos. Michael Drechsel hatte aus Erfahrung vorsichtshalber etwas Werkzeug zum Zusammenbauen des einfachen, aber gut funktionierenden Behandlungsstuhles mitgebracht.

Bei den Behandlungen unterstützen ihn zwei Zahnarzthelferinnen aus dem Allgäu und Berlin. In der zweiten Woche arbeitete ihm noch eine junge Zahnärztin aus Deutschland zu. Indische Krankenschwestern halfen beim Absaugen, Übersetzen und beim Erledigen der schriftlichen Dokumentationen.

Kaum war der Behandlungsraum eingerichtet, standen die ersten Kinder vor der Praxis. Die Mädchen und Jungen warteten geduldig und diszipliniert, bis sie an der Reihe waren. Einige konnten ihre Neugier nicht zurückhalten und schauten durch die glaslosen Fenster. „Bei der Arbeit ständig beobachtet zu werden – daran musste ich mich erst gewöhnen“, sagt Michael Drechsel.

Augen zu, den Mund weit auf: Tapfer ließen die jungen Patienten die Prozedur über sich ergehen. Nach der Behandlung gab es kleine Trostpflaster in Form von Luftballons, Kugelschreibern oder Aufklebern. Hauptsächlich seien das Entfernen von Zahnstein, Füllungen aber auch das Ziehen von Zähnen nötig gewesen. „Viele Kinder haben Braunverfärbungen durch den hohen Fluoridgehalt im Wasser“, erklärt der Zahnarzt. Daraus kann Karies entstehen. Auch die entdeckte Michael Drechsel.

„Im Prinzip haben die indischen Kinder die gleichen Zahnprobleme wie die deutschen. Karies ist dort allerdings nicht ganz so ausgeprägt. Der geringere Verzehr von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln könnte ein Grund dafür sein.“ Bis auf Zahnkorrekturen mit Spangen seien alle Behandlungen möglich.

Erfreulicherweise musste Michael Drechsel dieses Jahr weniger Zähne ziehen. „Ich denke, die Aufklärungsarbeit und die Übungseinheiten zur Zahnpflege haben gewirkt.“ Für die Kinder ist das gemeinsame Zähneputzen mit viel schäumender Zahnpasta immer ein riesiger Spaß.

Beim Einsatz in Narakodur blieb es nicht. Auch den Heimkindern im rund dreieinhalb Stunden entfernten Inumella und im sieben Stunden entfernten Medapadu schaute der Erzgebirger in den Mund. Für Michael Drechsel war der dreiwöchige „Arbeitsurlaub“ eine Erfahrung, die er nicht missen möchte. „Ich habe sehr viel Dankbarkeit erlebt. Auch wenn ab und zu mal eine Träne floss, standen die Kinder danach auf und lächelten wieder.“

Insgesamt hat Michael Drechsel 545 Kinder und 64 Erwachsene untersucht. Mindestens acht Stunden war er täglich, außer sonntags im Einsatz, bei schlechten Lichtverhältnissen und Temperaturen um die 30Grad Celsius. Und doch wird er wahrscheinlich in einem Jahr wieder die Koffer packen und nach Indien zu „seinen dankbaren kleinen Patienten“ reisen.

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