Maggies Zehn Gebote

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Margaret Thatcher war in Wahrheit eine Wirtschaftsliberale. Vielleicht ist es die Energie ihrer ersten beiden Legislaturperioden, die für die große Koalition in Deutschland entscheidende Lehren bereithält.

1. Du sollst die Form deiner Aussagen einfach halten. Mehr Individuum, weniger Staat; mehr Auswahl, mehr Verantwortung.

2. Du sollst Arroganz pflegen. Wenn das mit dem „Gemüse“ schon nicht klappt, wie wäre es mit: „Ich bin außerordentlich geduldig, vorausgesetzt ich kriege am Ende, was ich wollte.“(O-Ton Thatcher)

3. Du sollst furchtlos sein und mit Thatcher’schem Eifer Subventionen kappen. Die Gewerkschaften werden lautstark protestieren. Die SPD wird an Schuldzuweisungen nicht sparen. Doch es gilt das Thatcher’sche Motto: „Es gibt keine Alternativen.“ („There is no alternative“, kurz: TINA.)

4. Du sollst eine patriotische Sprache verwenden. Die Deutschen brauchen sowohl einen emotionalen als auch einen rationalen Grund, um Einschnitte hinzunehmen. Deutschland muss Weltmeister werden – aber nicht in der Meckerdisziplin. Die Fußball-WM 2006 ist nicht nur ein großes internationales Event, sondern ein großes Event für Deutschland.

5. Du sollst auf die Macht des Geizes bauen. Thatcher hat den britischen Niedergang allein durch psychologische Mittel abwenden können: Den Hausbesitzern flüsterte sie ein, dass sie reicher und reicher würden, woraufhin deren gesellschaftliche Macht stetig wuchs.

6. Du sollst netter zu Amerika sein, jedoch nicht unbedingt zum White House. Es bringt nichts, tatenlos auf den Einzug von Nicolas Sarkozy in den Elysée-Palast zu warten. Freunde dich mit aufstrebenden republikanischen Regierenden an. Arnold Schwarzenegger könnte für dich werden, was Ronald Reagan für Margaret Thatcher war: eine politische Verbindung, die den eigenen Status aufpoliert. Die Franzosen werden dir Respekt zollen. Denke daran, was Mitterrand über Thatcher sagte: „Sie hat die Augen von Caligula, den Mund von Marilyn Monroe.“

7. Du sollst deine Feinde ins Kabinett holen. Thatchers erstes bestand aus neun engen Verbündeten – und neun potenziellen Rebellen, die nie ein Geheimnis aus ihrem Unwillen gegenüber der Politik und dem Führungsstil Thatchers machten. Ihr Hauptgegner, der verbitterte Vorgänger Edward Heath, saß weiterhin im Parlament und feuerte aus dem Hinterhalt gegen ihre Regierung. Merkels Autorität wird ebenfalls von Kollegen untergraben werden, besonders in Hessen und in Niedersachsen.

8. Du sollst Spione einsetzen. Thatcher erhielt von Innenminister Willie Whitelaw, einem älteren, weniger ehrgeizigen Konservativen, Hinweise darauf, dass Verschwörungen gegen sie im Gange waren.

9. Gott hat dich als Frau geschaffen. Verleugne diese Tatsache nicht, sondern mach sie dir zu Nutze. Journalisten erinnern sich an Begegnungen mit Thatcher, die etwas von einem Flirt hatten (eine leichte Berührung am Unterarm des Interviewers). Thatcher schrieb sich weibliche Instinkte zu: „Greife auf einen Mann zurück, wenn etwas gesagt werden soll, auf eine Frau, wenn es getan werden muss.“ In Wirklichkeit brachte sie nur wenige Frauen nach oben, ihre engsten Berater waren allesamt Männer.

10. Du sollst immer eine Handtasche tragen. Daraus kannst du bei Gipfeltreffen oder Koalitionsverhandlungen in einem strategisch entscheidenden Moment eine Liste mit Forderungen hervorzaubern. Thatcher hat auf diese Weise viele Verhandlungen für sich entschieden. Es verwirrt die Männer und lenkt sie von schwachen Argumenten oder mangelndem Charisma ab. Der Trick könnte sich in Berlin als fruchtbar erweisen.

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