Ärzte ohne Grenzen: Er hat 50 Frauen geholfen

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. Widrige Arbeitsbedingungen kennen viele Ärzte aus ihrem Arbeitsalltag, aber nur die wenigsten haben so praktiziert wie Matthias Göddecke in Nigeria. Unter Entführungsgefahr arbeitete der Kasseler Arzt mit technisch einfacher Ausrüstung in tropischer Umgebung

In der nigerianischen Stadt Jahun hat der Anästhesist für sechs Wochen mit der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) operiert. Die in Frankreich entstandene weltgrößte Organisation für medizinische Nothilfe hat 1999 den Friedensnobelpreis erhalten.

„Bei MSF ist von den Teams bis zur Technik alles durchdacht“, begründet er die Zusammenarbeit. Sein Einsatz in Jahun konzentrierte sich auf Frauenheilkunde, vorwiegend Fisteloperationen. Die Fistelkrankheit entsteht durch Komplikationen bei Geburten und führt zu Inkontinenz. Aufgrund der in Afrika fehlenden Vorsorgeuntersuchungen kommt sie dort deutlich häufiger vor.

Das Problem hat laut Göddecke auch eine kulturelle Dimension: „Inkontinente Frauen werden von ihrem Partner verlassen und diskriminiert“, erläutert der im Marienkrankenhaus praktizierende Arzt. Bei den Operationen müssten die Frauen nach islamischer Gesetzgebung auf die Zustimmung ihres Mannes warten. So kam es schon zu Suchaktionen, bevor die Männer, meistens mit Daumenabdruck, unterschrieben.

Auch sonst praktizierte der Arzt im armen Norden von Nigeria unter deutlich schwierigeren Verhältnissen. Die Angst vor Entführung sei allgegenwärtig gewesen. Medikamente und Technik seien in Afrikaeinsätzen auf dem Stand der 70er-Jahre. Während die überholten Medikamente aufgrund von fehlenden Geldern verwendet werden, sei die alte mechanische Technik noch geeigneter für die Tropen. Wegen der minderwertigen Infrastruktur mussten die Teams auch schon mit Notstromaggregaten oder Speicherwasser arbeiten. Deshalb seien Techniker in den Teams genauso gefragt wie Ärzte. Dieses Prinzip unterstreicht MSF mit gleichem Lohn für alle.

Ein Traum wird wahr

Trotz aller Hürden ist Göddecke von der Arbeit überzeugt: „Aus humanitären Gründen finde ich das Projekt sinnvoll“, sagt er. In seinem Einsatz hat er bei 50 Fisteloperationen die Anästhesie gemacht. Schade findet er, dass aufgrund der fehlenden Mittel nur einem kleinen Teil der Frauen geholfen werden kann.

Für den Familienvater ging mit der Hilfsaktion ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. „Bereits vor dem Studium kam mir der Gedanke“, erinnert sich Göddecke. Durch den Nobelpreis wurde er auf MSF aufmerksam und bestritt für dessen Auflagen „auf eigene Faust“ bereits Einsätze in Tansania. „Ohne den Rückhalt der Marienkrankenhausmitarbeiter wäre es unmöglich gewesen“, betont Göddecke. Er habe in seinem Leben Glück gehabt und sei jetzt in der Lebenslage für die Einsätze. „Ich will etwas von dem Glück zurückgeben“, sagt er. Im Herbst ist der Arzt wieder abrufbereit zu einem noch unbekannten Ziel. Es gehe dahin, wo er gebraucht werde.

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