Mit Millionenschulden nach Moskau: Die miese Masche des Pleite-Zahnarztes

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Als «Billigzahnarzt» machte der Zürcher Arno K.* (58) in den Neunzigern Schlagzeilen. Heute hat er Schulden in Millionenhöhe angehäuft – und narrt seine Gläubiger. Arno K.s neuster Trick: Er meldete sich beim Zürcher Personalamt ab und in Moskau an. Seine Praxis am Zürcher Bellevue existiert freilich weiter. Auf der Internetseite ist er noch als Zahnarzt gelistet. Offiziell ist nun aber Arno K.s Dentalhygienikerin Chefin. Internetseite ist er noch als Zahnarzt gelistet. Offiziell ist nun aber Arno K.s Dentalhygienikerin Chefin.

Ein Schreiben des Betreibungsamts zeigt, dass K.s Gläubiger machtlos sind: Sie müssten selbst nachforschen, wo der Schuldner wohne und arbeite, heisst es darin sinngemäss.

An der neuen Moskauer Adresse sitzt auch die Kanzlei von Karl Eckstein, dem russischen Honorarkonsul in der Schweiz. Eckstein sitzt für die SVP im St.Galler Stadtparlament und ist Ersatzrichter am St.Galler Kantonsgericht. In Moskau berät er Schweizer Firmen. SonntagsBlick gegenüber bestätigt er, dass er K. anwaltlich betreut, und zwar bezüglich «Fragen zu seiner Aufenthaltsbewilligung in Russland». Mittlerweile habe der Arzt aber eine andere Wohnadresse in Moskau. Arno K. selber wollte gegenüber SonntagsBlick über sein neues Domizil keine Details verraten.

2005 waren bei dem Schuldenkönig Forderungen von rund sechs Millionen Franken aufgelaufen. Steuerämter, Medizinalfirmen, Implantate-Hersteller, Zahntechniker und Labors – alle wollten Geld sehen. Auch bei Zahnarztkollegen und Ärzten steht Arno K. in der Kreide. Sie hatten ihm Darlehen für seine hochfliegenden Projekte gegeben. Irgendwann musste der Zahnarzt Privatkonkurs anmelden.

«Wir haben weder die versprochenen Zinsen noch das geliehene Geld wiedergesehen», klagt eine Geschäftsfrau (88). Sie hatte Arno K. mit 20000 Franken ausgeholfen. «Dafür wollte er mich gratis behandeln. Als ich in die Praxis kam, war er nicht einmal da.»

Was sagt der Beschuldigte zu dem Schlamassel? «Der ganze Betrieb ist rasant gewachsen und geriet in die Liquiditätsfalle. Wir haben alle Fehler gemacht», rechtfertigt er sich. Er habe auch privat alles verloren und verkauft. Der Zahnarzt redet die Sache schön: Mit vielen Verlustscheinbesitzern mit Forderungen von circa drei Millionen Franken arbeite er heute noch zusammen, einige Scheine seien schon zurückgekauft worden, sagt Arno K. «Die Inhaber werden mir keinen Druck machen. Sie geben mir die Zeit, meine Existenz wieder aufzubauen. Die Sache ist also überhaupt nicht irreparabel.»

Fakt ist: Arno K. lebte trotz Schulden weiter prächtig. 2010 versteuerte das Ehepaar K. am Zürichberg 600000 Franken Einkommen und 200000 Franken Vermögen. In der Garage steht ein Porsche Cayenne, der angeblich K.s Frau gehört.

Der Zahnarzt scheint nichts gelernt zu haben: Auf einem aktuellen Betreibungsauszug sind schon wieder neue Forderungen gelistet. Neben Mietschulden der Praxis ist auch das Zürcher Edelrestaurant Sonnenberg mit einem Verlustschein von 5100 Franken verzeichnet. K. feierte in dem bekannten Lokal die Firmung seiner Tochter. Kommentieren will er dies nicht.

Seine Tochter  scheint Arno K. viel wert zu sein, wie auch aus einer Pfändungsurkunde hervorgeht. Bei der Berechnung des Existenzminimums billigte ihm das Zürcher Betreibungsamt 7 als Unterhalt für sie 8000 Franken zu – pro Monat. Die 18-Jährige bestreitet in einer teuren Sportart Wettkämpfe und besucht eine teure Privatschule. Insgesamt kam der Arzt so auf ein monatliches Existenzminimum von 10400 Franken. Einem seiner Gläubiger platzte der Kragen. Er verlangte eine Revision der Einkommenspfändung.

Erst danach strich das Betreibungsamt die horrenden Unterhaltsbeiträge. Als Arno K. dort wiederholt Termine sausen liess, musste er Ende 2012 zur Strafe 200 Franken zahlen. Seine Gläubiger müssen nun wegen seiner Abmeldung nach Russland trotzdem in die Röhre gucken.

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