Patientenrechte beim Zahnarzt

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Ein Besuch beim Zahnarzt kann kräftig ins Geld gehen. Ob Luxusversorgung oder Standardlösung, die Kasse zahlt immer nur ihren festen Zuschuss. Trotzdem entscheiden sich viele Patienten für die kostspieligen Varianten und zahlen mitunter Tausende von Euro zu. Meist folgen sie einfach der Empfehlung ihres Zahnarztes.

Zahnärzte müssen über geplante Behandlungen und ihre Kosten umfassend informieren. Sie haben die Pflicht, die sogenannte Regelversorgung anzubieten.

Fragen Sie nach kostengünstiger Regelversorgung!

Je nach Zahnproblem gibt es eine vorgesehene Standardlösung, die mit einem bestimmten Preis angesetzt ist. Von diesem Preis zahlt die Kasse mindestens die Hälfte – mit Bonus nach regelmäßiger Vorsorge bis zu 65 Prozent. Unabhängig davon, ob eine Regelversorgung stattfindet oder der Patient eine andere Lösung wählt. Beispiel: Ein Backenzahn zwischen zwei gesunden Zähnen fehlt. In diesem Fall ist eine metallische Brücke als Regel vorgesehen, dafür zahlt die Krankenkasse einen Festzuschuss von rund 300 € für Zahnarzt und Zahntechnik (Stand: 1. 1. 2012). Eine Liste der Befunde und der dazugehörigen Festzuschüsse finden Sie in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für die Regelversorgungsleistungen. Zeigen sich während der Behandlung neue Zahnschäden, die auch repariert werden sollen, muss erneut umfassend über Preise und verschiedene Varianten informiert werden. Der Patient sollte außerdem die Möglichkeit haben, nachzufragen. Im Zahnarztstuhl liegend, während der Behandlung und möglicherweise unter Schmerzen ist das kaum möglich.

Holen Sie sich eine „Zweite Meinung“!

Wer an einer Diagnose, einer geplanten Behandlung oder einer Kostenkalkulation seines Zahnarztes Zweifel hat, kann eine zweite Meinung einholen. Dazu geht man zu einem anderen Zahnarzt, lässt sich erneut untersuchen und einen Therapievorschlag machen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, bei manchen Patientenberatungsstellen und einigen Zahnärztekammern Zweitmeinungen einzuholen. Für den Kassenpatienten ist die Untersuchung bei einem weiteren Zahnarzt kostenlos. Da es sich um eine reine Untersuchung handelt, fallen die 10 € Praxisgebühr nicht an. Wer allerdings privat versichert ist, muss die Kosten möglicherweise selbst bezahlen. Im Internet kann man mit einem Heil- und Kostenplan in speziellen Portalen Angebote anderer Zahnärzte einholen und so feststellen, ob die Kostenkalkulation im Rahmen bleibt oder ob sich ein Zahnarztwechsel lohnen könnte.

Niemand kann einen Arzt zwingen, eine Behandlung durchzuführen, die er nicht empfiehlt. Wer also eine Behandlung entsprechend einer abweichenden Zweitmeinung wünscht, muss sie gegebenenfalls von dem Zahnarzt durchführen lassen, der diese Therapie empfohlen hat.

Was tun, wenn beim Zahnersatz etwas schiefläuft?

Wer mit Zahnarztleistungen unzufrieden ist, sollte sich zunächst um ein klärendes Gespräch mit seinem Zahnarzt bemühen. Bleibt das erfolglos, können Kassenpatienten bei ihrer Krankenkasse nachfragen. Dort wird gegebenenfalls ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Lassen Sie den Zahnarzt nachbessern!

Sitzt ein neuer Zahnersatz nicht richtig oder hat er andere Mängel, muss der Patient dem Zahnarzt zunächst die Möglichkeit geben, Fehler nachzubessern. Allerdings nur solange, wie Nachbehandlungen für den Patienten zumutbar sind. Wenden Sie sich bei Zweifeln an Ihre Krankenkasse ! Mit einem vorzeitigen Wechsel zu einem anderen Zahnarzt verlieren Sie möglicherweise etwaige Schadenersatzansprüche oder müssen sogar alles selbst bezahlen. Krankenkassen haben mit Zahnärzten meist zweijährige Nachbesserungsfristen vereinbart. Dann muss der Zahnarzt kostenlos behandeln, bis der Zahnersatz sitzt.

Sichern Sie Beweise!

Wenn Sie sich nicht mehr mit dem Zahnarzt einigen können, sollten Sie Beweise sichern. Vermuten Sie einen Behandlungsfehler, sollten Sie den Zahnzustand durch ein Gutachten dokumentieren lassen. Heben Sie alle Unterlagen auf und machen Sie sich Notizen von Ihren Gesprächen.

Reklamieren Sie richtig!

Zu unterscheiden ist bei Kassenpatienten, ob es sich um eine Regel- oder eine gleichartige Versorgung handelt, dann übernimmt die Krankenkasse die Gutachtenvergabe. Für den Patienten ist das kostenlos. Haben Sie eine andersartige Versorgung gewählt, zum Beispiel ein Implantat, erhalten Sie häufig keine Unterstützung von Ihrer Krankenkasse. In solchen Fällen ist es besonders ratsam, unabhängige Beratung zu suchen, beispielsweise bei einer Patientenberatung.

Wählen Sie das richtige Gutachten!

Privatversicherte, Selbstzahler und Kassenpatienten mit Privatleistungen sind bei Problemen mit dem Zahnersatz oder Behandlungsfehlern meist auf sich allein gestellt. Eine Gewährleistung gibt es nicht, sofern sie nicht zuvor vertraglich vereinbart wurde. Der Zahnarzt schuldet nach dem Dienstvertrag auch keinen Erfolg, sondern nur Behandlung nach dem Stand der ärztlichen Kunst. Ob die nicht beachtet wurde, muss in einem Gutachten nachgewiesen werden. Eine Liste von Privatgutachtern gibt es bei den Landeszahnärztekammern. Privatversicherte können sich auch an die Schlichtungsstellen der Zahnärztekammern wenden. Diese Beratungen sind meistens kostenlos, mancherorts werden geringe Gebühren erhoben. Mit einem etwaigen Schlichtungsverfahren müssen Zahnarzt und Patient einverstanden sein.

Achtung: Ein privates Gutachten wird von den Gerichten nicht anerkannt. Wer also einen Behandlungsfehler vermutet, der sollte bei Gericht ein selbstständiges Beweisverfahren beantragen. Dabei wird der Gutachter vom Gericht beauftragt, und die Ergebnisse sind gegebenenfalls in einem anschließenden Prozess verwertbar.

Nutzen Sie die Gutachten der Krankenkassen!

Zieht die Krankenkasse vor Gericht, so erstreitet sie nur die Erstattung des Festzuschusses. Ihren Eigenanteil müssen Sie selbst einklagen. Allerdings stellt die Krankenkasse meist die Unterlagen und Gutachten zur Verfügung. Sind Sie mit dem Ergebnis eines Gutachtens bei den Krankenkassen nicht zufrieden, können Sie mit schriftlicher Begründung Widerspruch einlegen. Dann wird möglicherweise ein weiterer Experte hinzugezogen.

Rechtzeitig nach Patientenrechten fragen!

Sinnvoll ist es, sich von Anfang an über Patientenrechte und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Lassen Sie sich im Zweifel bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, bei der Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit oder bei einer örtlichen Gesundheitsberatung über Ihre Rechte aufklären.

Linktipps zum Thema Patientenrechte

=> Informationen rund um die Versorgung mit Zahnersatz, Broschüre der Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen (BAGP), Juni 2011 (PDF)

=> Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für die Regelversorgungsleistungen: Liste der Befunde und der dazugehörigen Festzuschüsse (PDF)

=> Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit, Beratung, Infos und Wissenswertes zu Therapien, Diagnosen und Behandlung

=> Unabhängige Patientenberatung Deutschland, Tel: 0800 0 11 77 22 (kostenlos), Mo bis Fr 10.00 bis 18.00 Uhr, Do bis 20.00 Uhr

=> Buch: Gesunde Zähne, Stiftung Warentest, 2010, Preis: 16,90 Euro zzgl. Versand

=> Ihr gutes Recht als Patient, Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Broschüre 2010, 9,90 Euro zzgl. Versand

=> Ratgeber zur gesetzlichen Krankenversicherung, Bundesministerium für Gesundheit, April 2011, kostenlos

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