Möbelstücke als Pfand einbehalten

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Ein Wohnungsumzug ist keine leichte Sache. Viele Menschen nehmen ihre Freunde in die Pflicht, um Kisten zu schleppen. Andere beauftragen Umzugs-Unternehmen, um keine Arbeit damit zu haben. Genau das aber kann sich ins Gegenteil verkehren, wie der konkrete Fall zeigt, der diese Woche vor Gericht verhandelt wurde – allerdings ohne Urteil, das erst in der kommenden Woche verkündet werden soll.

Es geht um einen Zahnarzt, der im feineren Wohngebiet in Böfingen in einer Mietwohnung lebte und diese räumen musste. Der Eigentümer hatte Eigenbedarf angemeldet und die Zwangsräumung erwirkt, nachdem der Mieter erst noch zuwarten wollte, bis er seine neue Wohnung in einem ebenfalls feinen Ulmer Wohngebiet beziehen konnte. Als es soweit war, beauftragte der Arzt ein Umzugsunternehmen, das wegen der Zwangsräumung fälschlicherweise auf finanzielle Schwierigkeiten schloss und deshalb Vorkasse verlangte.

Das Angebot war schnell geschrieben, die Vorkasse in Höhe von etwa 1500 Euro auch gewährt, doch am Tag des Umzugs ging ziemlich viel schief. Als die alte Wohnung ausgeräumt, der Lkw beladen und die neue Wohnung angefahren war, stockte plötzlich der Arbeitseifer der Möbelpacker und die Prokuristin des Unternehmens verlangte von dem Arzt am Freitagnachmittag weitere 1500 Euro – und zwar sofort und in bar, ansonsten würden die Möbel auf dem Parkplatz vor dem Haus abgeladen werden.

Der Zahnarzt war außer sich, verweigerte die zusätzlich Zahlung und beharrte darauf, dass die Möbel wenigstens in die Wohnung getragen würden, wenn schon nicht montiert, wie verabredet. Das tat das Unternehmen, behielt als Pfand aber ein Fernsehgerät, mitten im Hochsommer auch einen Kühlschrank mitsamt dem Inhalt und ein hochwertiges Fahrrad, und drohte obendrein, diese Gegenstände zu versteigern, sollte der zusätzlich geforderte Geldbetrag nicht alsbald überwiesen werden.

„Ist das der übliche Umgang mit Kunden? Sind das ihre Methoden“, fragte Dr. Thomas Kienle, der den Arzt jetzt vor Gericht vertrat. Aus seiner Sicht, ist die Nachforderung in bar an sich schon höchst fraglich, außerdem viel zu hoch ausgefallen und überdies sei der Umzug nicht so durchgeführt worden, wie es vereinbart war. Rechtlich strengte er eine einstweilige Verfügung an, die dem Umzugsunternehmen untersagen sollte, die als Pfand einbehaltenen Gegenstände zu versteigern.

Freilich, auch der Arzt hatte zusätzliche Forderungen gestellt, die vom Angebot nicht abgedeckt waren. So wollte er einen Teppichboden entsorgt, ein Waschbecken abgebaut und ein Möbelstück unterwegs in seiner Praxis abgestellt haben. Mehrkosten, wegen der der Unternehmer auf die Nachforderung besteht. Für einen Kompromiss war der Umzugschef während der Gerichtsverhandlung jedenfalls nicht zu haben. Der Arzt hatte angeboten, statt der geforderten 1500 Euro zusätzlich allenfalls 500 Euro bezahlen zu wollen.

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