Grantiger TV-Arzt als guter Entertainer: „Dr. House“ ist auch privat gerne zynisch

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Man kauft seinen Fisch nicht beim Zahnarzt, man fragt seinen Installateur nicht um finanziellen Rat. Warum also soll man sich einen Schauspieler anhören, der Musik macht? Die Antwort ist – ich habe keine Antwort!“Im Booklet zu seinem Debüt-Album „Let Them Talk“ fand „Dr. House“-Darsteller Hugh Laurie keinen Grund dafür, dass er sich als Sänger und Pianist, der Blues-Standards covert, ein Publikum verdient hat. 1800 Wiener fanden den Grund bei seinem Auftritt im Konzerthaus selbst: „Weil’s Spaß macht!“

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youtube  Laurie ist weiß, ein gebildeter Mittelklasse-Engländer, also alles, was die Protagonisten des Blues nicht sind. Trotzdem konnte der 53-Jährige im Konzerthaus all die, die rechtzeitig ein Ticket ergattert hatten, zwei Stunden lang prächtig unterhalten. Denn was ihm an musikalischer Raffinesse und Erfahrung fehlt, macht er mit witzigen Moderationen wett. In einem Set von Omama-Stehlampen, Biedermeier-Teppichen und dicken Vorhang-Kordeln prostet er dem Publikum mit Apfel-Schnaps zu, hüpft bei den dynamischeren Songs wie ein verspieltes Kind herum, gibt immer wieder Anekdoten zur Entstehungsgeschichte der Songs zum Besten.

Einige verkneift er sich auch: „Ich will nicht als der Nerd gelten, der jedes Detail weiß.“ Tut er aber. Als Kind hat er sich beim Piano-Unterricht in „Swanee River“ verliebt, das sich zwischen klassische Sonaten ins Lehrbuch gemogelt hatte, hat seither Platten und Wissen gesammelt, den New-Orleans-Blues und Künstler wie Leadbelly und Professor Longhair studiert.

An diese Vorbilder kommt Laurie live natürlich nicht heran. Er ist ein passabler Pianist, beherrscht aber die Tasten besser als seine Stimme. Als Sänger liefert er auch immer wieder prickelnde Momente – etwa, wenn wenn er bei dem herrlich schräg aufbereiteten „Battle Of Jericho“ oder der Liebesballade „Let Them Talk“ die Töne zieht und quetscht wie die Profis dieses Genres.

Feuer

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Manchmal aber muss er sich aus mangelnder Routine so sehr auf das konzentrieren, was er macht, dass das „Wie“ darunter leidet, dass man sich dringend mehr Feuer in der Vokal-Performance wünscht.

Dazu kommt, dass Laurie und seine Copper Bottom Band ein Problem mit einem Truck hatten, deshalb Verspätung, keinen Soundcheck. So war der Sound anfangs unausbalanciert, das Schlagzeug viel zu laut, die Orgel dafür kaum zu hören.

Alles in allem war es trotzdem ein erbaulicher Abend. Auch wenn Laurie ohne seinen TV-Ruhm als Musiker keine Chance hätte. Aber das weiß er: „Ohne ,Dr. House“ hätte mich nie jemand gefragt, auf Tour zu gehen. Die Leute kommen nur deshalb – cool. Wenn sie mit einem Tausendstel der Begeisterung für diese Musik heimgehen, die ich habe, haben wir alle gewonnen.“

Haben wir: In Wien war es bestimmt mehr als ein Tausendstel.

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