Abgebrochener Zahn, Bäcker muss zahlen

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Ein Pizzabäcker musste Schadenersatz und Schmerzensgeld an eine Kundin zahlen. Sie hatte auf ein Metallstück in der Pizza gebissen und sich einen Backenzahn ausgebissen. Das Amtsgericht München stellte in diesem Urteil klar, dass niemand, der gekaufte Lebensmittel oder Speisen isst, damit rechnen muss, dass diese verunreinigt seien.

Nach einem Biss in die Pizza knackte es plötzlich und die Kundin fand in ihrem Mund ein Metallstück und einen Teil ihres Backenzahnes, der abgebrochen war.

Die Kundin ging zum Zahnarzt und ließ sich den beschädigten Zahn mit einer Vollkeramikteilkrone überziehen. Von den Kosten bekam sie nur einen Teil von ihrer Versicherung ersetzt. Den Rest – 1.127 Euro – verlangte sie vom Inhaber des Bäckers, genauso wie auch Schmerzensgeld. Das lehnte dieser ab.

Er bestreite, dass sich in der Pizza ein Metallteil befunden habe. Derartiges sei noch nie vorgekommen. Daraufhin erhob die Kundin Klage vor dem Amtsgericht München und bekam Recht. Das AG München hat der Klage stattgegeben und den Inhaber des Pizzaservice zur Zahlung der 1.127 Euro und zu 300 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Die Begründung des Gerichts: Die Pizza sei mangelhaft gewesen. Darüber hinaus hafte der Inhaber nach den Grundsätzen der Produkthaftung, da ein Fehler bei der Herstellung vorliege.

Kunde hat das Recht auf sauber hergestellte Lebensmittel

Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass die Pizzas in einem Karton transportiert wurden. Der Freund der Geschädigten habe sie gekauft und die Hälfte gegessen und zwar ohne Gabel, Messer und Teller. Der Rest blieb im Karton und wurde von seiner Lebensgefährtin ebenfalls ohne Gabel, Messer und Teller konsumiert.

Das unstreitig vorhandene Metallteil könne daher nicht durch einen der beiden auf die Pizza gelangt sein. Da allerdings in einer Pizzeria Dosen geöffnet werden, können hier durchaus Teile davon auf eine Pizza kommen. Der Zahnarzt hatte angegeben, dass eine erhebliche Gewaltanwendung auf den Zahn ausgeübt wurde, die zu einem Beißen auf ein Metallteil passen würde.

Ein Mitverschulden liegt laut den Richtern auch nicht vor. Es habe sich um eine bunt belegte Pizza gehandelt, auf der das Teil nicht sofort erkennbar war. Derjenige, der Speisen verzehre, müsse schon aus lebensmittelrechtlichen Gesichtspunkten auch nicht damit rechnen, dass diese verunreinigt seien. Die Verantwortung liegt bei dem, der die Lebensmittel herstellt. rh

Das Urteil ist rechtskräftig, Amtsgericht München, Az.: 231 C 7215/11

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