Palmenstrand statt Bohrer: Mit Hypnose gegen Zahnarztangst

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An einer Wiener Zahnklinik wird Angstpatienten mit medizinischer Hypnose geholfen – eine wissenschaftlich anerkannte Methode, die an Universitäten gelehrt wird und deren Wirksamkeit durch zahlreiche Studien belegt ist.

Angst haben viele vor dem Zahnarzt. Aber manche werden von panischer Angst gequält, Furcht, die schon in eine Phobie übergeht, die so manchem einen Zahnarztbesuch unmöglich macht. Eine Möglichkeit, diese Angstspirale zu durchbrechen, ist die Hypnose. „Wir setzen sie an der Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik in Wien ein“, erwähnt Henriette Walter, anerkannte Hypnose-Expertin und Professorin für Psychiatrie an der Medizinischen Universität Wien.

Medizinische Hypnose, und das sei gleich vorweg betont, hat nichts mit Hokuspokus zu tun, sie ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode, die an Universitäten gelehrt wird und deren Wirksamkeit durch zahlreiche Studien belegt ist. Walter: „In Trance sind wir in Kontakt mit unserem unconscious mind, also mit der Quelle unserer inneren Ressourcen“. Deswegen hat auch Hypnose nichts mit Bewusstlosigkeit oder Willenlosigkeit zu tun. „Im Gegenteil, der Patient muss aktiv mitarbeiten, er ist in diesem Fall genauso wichtig wie der Therapeut.“

 

Geistig aus dem Zahnarztstuhl

Der Patient wird vom Hypnosetherapeuten auf eine Art mentale Reise geschickt. Walter: „Der Patient nimmt etwa seine Walkingstöcke und marschiert in eine schöne Umgebung. Ich leite ihn dabei an, geistig aus dem Zahnarztstuhl herauszukommen, sich aus der momentanen Situation zu entkoppeln und sein Bewusstsein auf etwas Angenehmes zu richten. Das Surren des Bohrers wird dann zum Geräusch eines Motorbootes.“ Und während der Patient seine Walkingtour entlang des Sees fortsetzt oder an einem Palmenstrand weilt, können rebellische Zähne problemlos behandelt werden. Die Macht der inneren Bilder ist nämlich ungeahnt groß. „Meist treffe ich den Patienten ein- bis zweimal in der Zahnklinik, wir reden miteinander, ich ergründe, welche Hobbys er hat, welche Ressourcen, denn jeder Mensch schafft sich seine eigenen Bilder zur Entspannung.“

Beim dritten Mal dann geht es idealerweise in den Zahnarztstuhl. „Da werden vorerst nur Kleinigkeiten gemacht, da wird noch nicht unbedingt gleich mit der großen Bohraktion begonnen. Dann gebe ich dem Patienten Anleitungen und Anstöße für die innere Reise, die er aber jedes Mal selber macht.“ Wichtig freilich sei es, dass die beteiligten Zahnärzte entsprechend feinfühlig arbeiten.

 

Auch Schmerzlinderung möglich

Mittels Hypnose lässt sich auch der Schmerz lindern. Da gibt es etwa die Imagination. „Auch dabei wird die innere Kraft der Vorstellung genutzt“, so die Expertin. Beispiel: Was ist eine gesunde, schmerzfreie, leichte, angenehme Farbe? Antwort: rosarot. Während der Zahnarztbehandlung wird der Patient animiert, sich diese Farbe vorzustellen, in dieses angenehme Gefühl hineinzugleiten. Eine andere Möglichkeit ist es, den Schmerz abfließen zu lassen. Walter: „Vorerst wird das einige Male unter Anleitung geübt, dann macht der Patient das auch alleine.“ Man könne auch die Faust auf- und zumachen und mit jedem Zusammendrücken den Schmerz abpumpen.

Jemandem wiederum, der lieber Gedanken als Fantasie einsetzt, kann man empfehlen, sich vorzustellen, wie er das Schmerzproblem gedanklich lösen könnte. Es gibt etliche Möglichkeiten, der Hypnosetherapeut muss nur herausfinden, welche Strategie für das einzelne Individuum die beste ist.

„Es gibt Menschen, die sind hoch suggestibel, da ist der Schmerz ganz weg“, weiß Walter. Und freilich gibt es auch solche, da funktioniert Hypnose gar nicht. Nicht geeignet ist diese Methode beispielsweise bei Patienten, die sich nur schlecht konzentrieren können. Etwa fünf Prozent der Menschen lassen sich nicht hypnotisieren. Bei weiteren 20 bis 30 Prozent ist es sehr schwer, weil sie „überkontrolliert“ sind, sie haben große Angst vor Kontrollverlust.

„Einen richtigen Kontrollverlust aber gibt es bei einer Hypnose gar nicht“, räumt Walter mit einem weit verbreiteten Irrtum auf. Denn Trance bedeutet eine Verschiebung der Aufmerksamkeit von außen nach innen. „Und in diesem Zustand ist man für positive Suggestionen besonders empfänglich und kann Beschwerden und Ängste zum Verschwinden bringen.

 

Buch zur Hypnose

„Impromptu Hypnose – Die Kunst, jederzeit und überall hypnotisieren zu können“ ist der Titel eines Buches (mvg-Verlag, 215 Seiten, 20,60 €). Ilja Grzeskowitz, Hypnotiseur und NLP-Trainer, beschreibt Techniken, mit denen es angeblich gelingt, andere Menschen in kürzester Zeit zu hypnotisieren. Es wird auszuprobieren sein.

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