Wenn Hänschen nicht putzt…

by

Zwei Drittel der unter Sechsjährigen geht nicht zur Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt

Chemnitz. Die Mundgesundheit der Deutschen ist gut. Das dokumentieren eindrucksvoll die Mundgesundheitsstudien (DMS), die regelmäßig durchgeführt werden. Deutschland war auch weltweit das erste Land, das die internationalen Zielempfehlungen zur Zahngesundheit von Weltgesundheitsorganisation und Weltzahnärzteverband auf nationaler Ebene definierte.

Positive Ergebnisse lieferte die bislang letzte Mundgesundheitsstudie von 2004 im Vergleich zur Vorgänger-Untersuchung 1997. Besonders hervorgehoben wurde der Kariesrückgang in allen Altersgruppen. Vor allem bei Kinderzähnen gab es Grund zur Freude: Im Vergleich zum Jahr 1997 war ein deutlicher Rückgang kariöser Zähne zu beobachten: 58,8 Prozent, oder in absoluten Zahlen: Während Kinder (12-Jährige) noch 1997 1,7 Zähne mit „Karieserfahrung“ (kariös, gefüllt oder bereits verloren) hatten, waren es sieben Jahre später nur noch 0,7. Als wesentliche Ursachen für den Rückgang wurden in der Untersuchung regelmäßige zahnärztliche Kontrolluntersuchungen und eine Zunahme der vorsorglichen Versiegelung der Kauflächen von Backenzähnen, die sogenannte Fissurenversiegelung, genannt. Auch der regelmäßige Zahnarztbesuch „in allen Altersgruppen“ wurde in der DMS von 2004 besonders hervorgehoben.

Und nun schellen plötzlich die Alarmglocken, weil die bis 2020 ins Auge gefassten Ziele zu scheitern drohen. Aber es geht dabei ja nicht allein um statistische Details, sondern es geht um das höchste Gut des Menschen, die Gesundheit. Der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Professor Dietmar Oesterreich warnt mit Bezug auf die Barmer-Studie: „Kleinkinder erleben oftmals zu spät ihren ersten Zahnarztbesuch und damit die Kontrolle einer gesunden Mundentwicklung. Das Risiko für Schäden des Milchgebisses mit möglichen Auswirkungen auf die Entwicklung des bleibenden Gebisses, die Sprachentwicklung und die psychisch gesunde Entwicklung wird in dieser Lebensphase bestimmt. Die erste zahnärztliche Kontrolle sollte deshalb bis zum Ende des ersten Lebensjahres erfolgen.“

Er kritisiert in diesem Zusammenhang auch das Programm der zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung, das mit dem 30. Monat beginnt: „Die vorhandenen Instrumente der Früherkennung setzen offensichtlich zu spät ein.“ Außerdem macht er sich dafür stark, die Zusammenarbeit mit Kinderärzten und Hebammen zu verbessern, da offensichtlich die derzeitige Präventionsstrategie nicht ausreicht, die frühkindliche Karies wesentlich zu reduzieren.

Der Leiter der Barmer-Studie Thomas Schäfer sagte: „Wir müssen die Akzeptanz der kleinkindlichen Früherkennungsuntersuchung stärken, insbesondere in sozial schwachen Familien und bei alleinerziehenden Müttern“. Natürlich es ist Aufgabe der Eltern, mit ihren Sprösslingen zum Zahnarzt zu gehen. Das Gesundheitsbewusstsein muss in erster Linie von den Eltern kommen. Dabei sollte auch den Milchzähnen die entsprechende Bedeutung beigemessen werden: Sie dienen nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern sind auch Platzhalter für die neuen, bleibenden Zähne und sollten deshalb bis zu ihrem natürlichen Ausfall gut erhalten bleiben. Fehlende Milchzähne können nämlich zu Fehlstellungen bleibender Zähne führen.

Deshalb müssen auch diese ersten kleinen Zähnchen gründlich geputzt werden, getreu dem Motto: Wenn Hänschen nicht putzt, hat Hans Probleme mit seinen Zähnen. Einmal täglich, am besten abends, sind die neuen Kauwerkzeuge zu reinigen, wofür man laut Patienten-Zeitschrift „Zahnrat“ eine weiche angefeuchtete Babyzahnbürste und eine kleine, etwa erbsengroße Menge an fluoridhaltiger Kinderzahnpasta verwendet. Ab dem zweiten Lebensjahr sollte dann zweimal täglich geputzt werden. Etwa bis zum sechsten Lebensjahr können kleine Kinder ihre Zähne noch nicht allein putzen, deshalb sollten Erwachsene sie dabei unterstützen. Dabei geht man nach der K-A-I-Methode vor: Zuerst die Kauflächen, dann die Außenflächen, dann die Innenflächen.

Barmer-Studie mahnt zur Vorsorge

Zwei von drei kleinen Kindern verpassen nach dem in der vergangenen Woche vorgestellten Barmer-Zahnreport 2012 die individuellen Früherkennungsuntersuchungen beim Zahnarzt. Nur 31 Prozent der Kinder zwischen zweieinhalb und sechs Jahren nehmen an der Zahnprophylaxe teil. Studienleiter Thomas Schäfer vom Hannoveraner Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung forderte deshalb den Ausbau der Prophylaxe in den Kindertagesstätten. (

Service

Broschürentipp: „Gesunde Zähne ein Leben lang erhalten“ heißt die Ratgeber-Broschüre; für 2,90 Euro (mit Pressekarte 2,50Euro) in allen „Freie Presse“-Shops und im Internet unter www.freiepresse.de/shop

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: