als Zahnärztin in Kenia

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Kurz vor der Abreise haderte sie für kurze Zeit. Würde sie als Frau allein den Auslandseinsatz in Kenia durchziehen können? Lange schon hatte sich die Rehbrücker Zahnärztin Steffi Schatz vorgenommen, mit dem Verein Dentists for Africa dort Hilfe leisten. Auch ihr ebenfalls in Rehbrücke ansässiger Kollege Raimar Köster hatte sie ermutigt – er war schon mehrmals in dieser Mission in Kenia . „Neugier und Erwartungen waren dann doch stärker als meine Sorgen“, berichtet die 1966 geborene Zahnmedizinerin. Eine Mutprobe? „Allein in Kenia zu arbeiten ist hart“, erzählt sie. „Doch es bleibt das gute Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben, und es bleiben Freundschaften“ – zu Samuel, dem Priester, der ihr mit Rat und Tat zur Seite stand, zu Peter, der sie „mit ins afrikanische Leben genommen hat“, und zu Cecilia, die durch ihr strahlendes Lachen aufmunterte.

Mitte September war die Zahnärztin für drei Wochen nach Kenia gereist – für den Hilfseinsatz nahm sie Urlaub. Auf unbefestigter Piste wurde sie über Stunden durchgeschüttelt und gelangte nach Kaplomboi. Hier befindet sich einer der nunmehr zehn Behandlungsplätze des Thüringer Vereins Dentists for Africa in den Armengebieten des Landes. Vorläufer des Vereins war die Arzt und Zahnarzthilfe Kenya – 2010 erfolgte die Umbenennung. Der Name ist einprägsamer und weist darauf hin, dass vor allem die zahnmedizinische Hilfe auf weitere Länder Afrikas ausgedehnt werden soll.

In Kaplomboi empfing Steffi Schatz ein mit üppiger Vegetation bedecktes Hochland, 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Mannshohe Kakteen begrenzen hier die Wege. Die Einheimischen wirkten sehr zurückhaltend bis ängstlich, nicht so die Kinder, erzählt sie. Dreimal wöchentlich ging es weit übers Land zu mobilen Einsätzen in Schulen oder unter freiem Himmel. An die 1500 Patienten, vorwiegend Kinder, untersuchte und behandelte sie. Erwachsene müssen drei Euro für eine Extraktion bezahlen, viel Geld in Kenia. Mit dem Kenianer Cornelius stand ihr ein frisch ausgebildeter Zahntechniker zur Seite – so trägt die Vereinsarbeit erste nachhaltige Früchte, denn das erklärte Vereinsziel ist Hilfe zur Selbsthilfe in Afrika. So war auch das Waisenkind Cornelius über das Vereinsprojekt gefördert worden. Die dreijährige Ausbildung und die Grundversorgung finanzierten ihm Pateneltern aus Deutschland.

Nach den Überlandeinsätzen empfand Schatz schon die einfachen Bedingungen in der Station Kaplomboi mit Licht und Bohrer geradezu als „wunderbar“. Während der Tour durchs Land konnte meist nur extrahiert werden. „Beeindruckend, wie geduldig und tapfer die Kinder alles mit ansahen“, erzählt die Zahnärztin. Manch komplizierter Fall musste jedoch in die Station bestellt werden, wo dann teilweise bis 21 Uhr operiert wurde.

Knapp war die Zeit, um das Land näher kennenzulernen, doch es gab nachhaltige Begegnungen mit interessanten Menschen. Cecilia, Erzieherin an der katholischen Schule der Station Kaplomboi, zeigte der Ärztin die Unterrichts- und Schlafräume der Kinder, die Küche, in der sie für die Schulkinder kocht – mittelalterlich anmutende Bedingungen. Samuel nahm Steffi Schatz zur Taufe eines alten, kranken Mannes mit. Die erdrückendste Erfahrung war der Besuch in der Familie ihres Begleiters Peter in Kisii. Einen Sack Mais nahm sie als Geschenk mit – Preis: 35 Euro. Die Armut machte sie sprachlos. Die Mutter lebt mit vier Kindern in einem Zimmer, die Küche ist unter freiem Himmel, für die Kinder ist kein Schulgeld da.

Neben der zahnärztlichen Hilfe organisiert der Verein Dentists for Africa Selbsthilfeprojekte für von der Aidsepidemie betroffene Witwen und Patenschaften für Waisenkinder. Meist in Internatsschulen werden über 500 Waisenkinder betreut, viele von ihnen erhalten jährlich 400 Euro von persönlichen Paten in Deutschland, andere werden direkt vom Verein unterstützt. Mehrere Waisenkinder haben bereits ihre vom Verein finanzierte Ausbildung zum Oral Health Officer, Medical Engineer oder zum Zahntechniker abgeschlossen.

Zwei jungen Franziskanerinnen wird derzeit sogar das Zahnmedizinstudium in Uganda finanziert. Schwester Fabian wird 2012 das Studium abschließen und die Verantwortung für die zahnärztlichen Projekte übernehmen. Raimar Köster wird dann mit der Familie in Kenia sein, denn Fabian ist für ihn wie eine zweite Tochter, der er den Lebensunterhalt seit Jahren finanziert. Die Nonne stammt aus einer großen, armen Familie und hätte ohne Unterstützung nie studieren können.

Auch Steffi Schatz plant bereits den nächsten Einsatz in Kenia. „Afrika hat mein Leben verändert. Trotz aller Schwierigkeiten war es ein großes, nachhaltiges Erlebnis, das den Blick auf den deutschen Alltag verändert und andere Prioritäten in mein Leben gebracht hat“, sagt die Mutter von drei Kindern. Die Verbindung nach Kenia hält sie ohnehin, weil sie und ihr Rehbrücker Zahntechniker Andreas Plath für Cecilias Nichten, die Halbwaisen sind, das Schulgeld für die Zukunft übernommen haben.

Weitere Informationen unter

http://www.zahnarzthilfe-kenya.de

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