„Vorfreude auf den Zahnarzt“ oder „Angst vorm Kuscheln“?

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Zum ersten Mal stieg in Regensburg eine Kuschel-Party. Da ist Schmusen nach Herzenslust erlaubt, aber Sex ist tabu.

Du kuschelst mit wildfremden Menschen?“ Der Blick meines Freundes ist nicht mit Worten zu beschreiben. Soeben habe ich ihm eröffnet, dass ich auf eine „Kuschel-Party“ in Regensburg gehe. Zwanglos kuscheln, Tee trinken, loslassen. Ganz ohne Hintergedanken. Egal ob Jung, ob Alt, ob Single, ob Partner, jeder kann beim ersten Regensburger Kuschelabend mitknuddeln. So erkläre ich meinen kuscheligen Selbstversuch auch meinem Liebsten.

Und hier stehe ich, in der Praxis von Kuscheltrainerin Margit Mirwald in der Grasgasse. Und ich gebe zu: Ich habe richtig Muffensausen. Prüfungsangst kenne ich gut, auch von Lampenfieber und von schlaflosen Nächten vor unbequemen Begegnungen blieb ich nicht verschont. Aber das Phänomen „Angst vorm Kuscheln“ kam in meinem bisherigen Sprachgebrauch in etwa so oft vor wie „Vorfreude auf den Zahnarzt“. Also nie.

Das „Kuschelhormon“ Oxytocin

Dabei ist Kuscheln eine richtige Vital-Spritze. Das gegenseitige Streicheln, Umarmen und Anschmiegen stärkt nachweislich das Immunsystem und hemmt die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Der Blutdruck sinkt und unser Körper produziert das flauschige Hormon Oxytocin. Das regelt nicht nur die enge Bindung von Mutter und Kind beziehungsweise von Liebespaaren, sondern ganz allgemein unsere sozialen Beziehungen. Die Folge: Wir werden gelöst und entspannt, verspüren Vertrauen und fühlen uns einfach pudelwohl. Ausgelöst wird Oxytocin durch angenehmen Hautkontakt. Also: Stoppersocken an und ab auf die Kuschel-Party! In der Entspannungspraxis von Margit Mirwald steigt die erste öffentliche Schnuffelrunde in der Geschichte Regensburgs. Anders als gern vermutet handelt es sich hier aber nicht um einen verkappten Swingerabend. Regeln wie „No Sex!“ und ein striktes Alkoholverbot sind der rote Faden im Regelgeflecht auf Kuschel-Partys in ganz Deutschland. „Ehrlichkeit ist das A und O“, erklärt die Entspannungstherapeutin. Margit Mirwald. Immer um Erlaubnis fragen, bevor man einen anderen Knuddler berührt und ehrlich sagen, wenn man selbst etwas nicht möchte. „Das ist sozusagen die Kuschel-Etikette“, scherzt Mirwald.


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