Gut, dass Zahnarzt „Dr. Wim“ das Métier gewechselt hat

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So durfte das Laichinger Publikum durfte über zwei Stunden lang echte Jazzmusik erleben und war interaktiv eingebunden in die mitreißende Musik. Mit urwüchsigem Jazz hat „Dr. Wim“s Jazz Affair“ das Laichinger Publikum aufgemischt. Freude, Religiosität und Melancholie liegen bei diesem Jazz dicht beieinander. Das hat das Quintett gut transportiert.

Schlipsträger und kreolischer Jazz – Musik, die in der Zeit der Kolonialsklaven entstanden ist. Passt das zusammen? Mancher mag daran gezweifelt haben, als am Samstagabend bei der Stunde der Kammermusik die vier Musiker um Dr. Wim Mauthe auf die Bühne kamen. Doch das Quintett fegte bereits mit den ersten Klängen seines New Orleans Jazz selbst letzte Zweifel vom Tisch. Gut, dass der einstige Zahnarzt „Dr. Wim“ das Métier gewechselt hat: Das Laichinger Publikum durfte über zwei Stunden lang echte Jazzmusik erleben und war interaktiv eingebunden in die mitreißende Musik.

„Dixieland ist nur fröhlich, dagegen beinhaltet kreolischer Jazz Melancholie sowie Lebensfreude, weshalb ich diese Musik so liebe“, erklärte Bandleader Wim Mauthe. Das Spiel mit Laut und Leise auf Instrumenten, die viele Musiker nur im stringenten Forte beherrschen, macht den Unterschied zu Dixieland: Samtig sanft und voll Empathie erklang das original Tenorsaxophon von 1939 durch Wim Mauthe, mit gedämpftem „Wah-Wah“ ertönte Kniri Knaus“ Posaune an manchen Stellen fast als wären es menschliche Laute.

Rhythmisches Mitklatschen zu dieser so direkten, synkopierten Musik und Beifall nach Soli der einzelnen Instrumentalisten ließ die Hände glühen. Mit dieser, dem Jazz ureigensten Art die Musikbegeisterung in solistischen, das Thema individuell improvisierenden Acts zu demonstrieren, begeisterte auch Dr. Wim“s Jazz Affair: hier in Soli, wobei ein oder zwei Instrumentalisten zur gedämpften Hintergrundmusik der Gruppe musizierten; oder den „Brakes“, in denen die gerade pausierenden Musiker die Aufmerksamkeit ganz auf den Solisten lenkten.

Mit einem „Call-and-Response“ – ebenso ein typisches Jazzstilmittel – beteiligten sich schließlich auch die Zuhörer in der in New Orleans typischen „Marching Parade“. Dabei marschierten Klarinettist und Posaunist musizierend durch die Stuhlreihen.

Bandleader Dr. Wim Mauthe wechselte die Instrumente, wie andere sprichwörtlich die Hemden: Gerade hatte er noch die Klarinette in der Hand, schon spielte er das Saxophon. Kaum legte er das Akkordeon bei Seite, flogen seine Finger über die Klaviatur des Pianos.

Herausragend auch Kniri Knaus, der auf der Mundharmonika einen zum Atem anhaltend schön intonierten klassischen Blues ebenso virtuos blies, wie die Posaune. Der Banjospieler René Karlen gehörte zwar zur Rhythmusgruppe, aber spielte sich immer wieder mit versierten Melodien und Fingerfertigkeit in den Vordergrund. Als fingerfertiger und facettenreicher Kontrabassist erwies sich Martin Hess und Schlagzeuger Martin Hermann hatte mit seinen „schlagfertigen und wirbelnden“ Argumenten sowieso alsbald die Sympathien seiner Zuhörer.

Bleibt zu wünschen, dass Dr. Wim mit seiner Jazz Affair noch öfter zu Gast in der Stunde der Kammermusik ist. Denn ihnen ist es zuzutrauen, dass selbst die letzten des wenig Jazz gewohnten Laichinger Publikums die überkreuzten Arme lösen und sich den Emotionen dieser bewegenden und mitreißenden Musik hingeben.

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