In früheren Zeiten behandelte der Zahnarzt noch ohne Betäubung

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Maria Büttner feiert in Hürrlingen bei relativ guter Gesundheit den 101. Geburtstag / Ein Geheimrezept für das hohe Alter hat die Jubilarin nicht.

  1. Maria Büttner Foto: Burger

. Maria Büttner aus Hürrlingen kann am 19. September bei relativ guter Gesundheit ihren 101. Geburtstag feiern. Sie ist somit die älteste Einwohnerin Hürrlingens. Maria Büttner, geborene Maurer, kam 1910 als Tochter des Landwirts August Maurer und seiner Frau Anna zur Welt. Nach der Schulzeit in Hürrlingen war sie in der elterlichen Landwirtschaft tätig. Ihr erster Mann Alfons Lachemann, der aus Schwerzen stammte, wurde kurz nach der Heirat 1939 zum Krieg eingezogen und fiel 1942 vor Stalingrad.

Ihren zweiten Mann, Artur Büttner, heiratete sie 1949. Artur Büttner kam durch die Kriegswirren aus dem Kreis Tilsit in Ostpreußen zuerst nach Eberfingen und später nach Rheinfelden. Als Gehilfe in der Landwirtschaft von Familie Hug kam er schließlich nach Hürrlingen, wo Maria Büttner ihn kennenlernte. Hart traf es sie, als ihr Mann Artur 1990 verstarb. Beide Ehen waren kinderlos geblieben. Bis vor einem Jahr versorgte sich die Jubilarin selbst.

Heute wird sie von ihrer Patentochter Rita Bors liebevoll umsorgt. Früher liebte Maria Büttner die Gartenarbeit, die Arbeit im Haushalt und das Stricken. Aufgrund ihres schlechten Augenlichts kann sie diese Hobbys aber nicht mehr ausführen. Umso mehr erfreut sie sich an ihren Katzen und ihrem Großneffen Jonas. Ein Geheimrezept für ihr hohes Alter hat sie nicht: „Dass ich so alt werden musste,“ meinte sie vor ein paar Jahren selbst fasziniert über ihr hohes Alter. Mittags legt sie sich regelmäßig hin und trinkt um halb vier ihren Kaffee. Immer wieder berichtete Maria Büttner in den vergangenen Jahren Heimatgeschichtliches und Anekdotisches. Ihr Elternhaus war einst das Haus des „Geometers“ Müller. Ihr „Götti“ war der bekannte Riederner Uhrmachermeister Albert Keller, ein Bruder ihrer Mutter. Keller, der in der Zeit um 1900 in Riedern tätig war, hatte sogar Kunden in Luxemburg. Dieser besaß eine wertvolle Uhrensammlung, die heute teilweise im Museum Furtwangen ausgestellt ist. Als Kind musste Maria Büttner Richtung dem Gewann „Hauchert“ Vieh hüten, wobei sie einmal einschlief und vom Lärm der davonlaufenden Kühe geweckt wurde, diese aber wieder rechtzeitig einfangen konnte.

Auch die Erinnerung an den Zahnarzt, der in Hürrlingen einst wohnte, ist noch lebendig. Dieser arbeitete in den 20er Jahren noch ohne Betäubung im Haus Kaiser neben dem Schulhaus. Als er und eine Assistentin einmal bei ihr einen Zahn ziehen mussten, rutschten sie mit der Zange ab und flogen durch den halben Raum. Als Jugendliche musste sie 1925 am Blinddarm operiert werden. In Hürrlingen bestieg sie ein Ochsenfuhrwerk, das sie nach Bonndorf ins Spital brachte. Nach drei Wochen holte sie der Karren wieder ab und sie legte sich hinten auf das Fuhrwerk.

Als Maria Büttner 1920 zehn Jahre alt war, erinnerte sie sich, wie die Elektrizität nach Hürrlingen kam. Ihr Großvater konnte mit den Drehschaltern für das Licht nicht viel anfangen und ihr Vater ermahnte diesen, nicht zu grob mit den empfindlichen Schaltern umzugehen. Immer noch hängt in ihrer Stube das große, über ein Meter lange Heiligengemälde, das ihr Vater einst in Ühlingen beim Kaufhaus Zwigard holte und bis nach Hürrlingen trug, ohne das Glas dabei zu beschädigen. Lebendig ist bei ihr auch die Erinnerung, wie einige Hürrlingerinnen noch vor dem Zweiten Weltkrieg die Original Schwarzwälder Tracht mit der „Bändelkappe“ trugen.

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