Rollende Zahnarztpraxis

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Der Darmstädter Martin Ahrberg will mit seinem Dentomobil ein Modellprojekt starten. Die Landeszahnärztekammer lehnt den Behandlungsraum auf Rädern jedoch ab. Die mobile Praxis soll auch die Versorgung in Pflegeheimen verbessern.Vor dem Darmstadtium steht ein Lastwagen. Im Container auf der Ladefläche ist eine komplette Zahnarztpraxis untergebracht: mit Turbine, Absauger, Röntgengeräten, Sterilisator und allen Materialien, die ein Zahnarzt so braucht. Mit der mobilen Praxis will Martin Ahrberg die Versorgung von alten Menschen verbessern. Dieser Samstag ist Seniorentag: Der Darmstädter Zahnarzt stellt sein Projekt vor und sucht Unterstützer.

Vor fünf Jahren hat sich Ahrberg auf einer Messe in Köln über den Einsatz des Dentomobils in den Niederlanden informiert. Dort sind 25 mobile Zahnarztpraxen im Einsatz, mit denen Jugend- , Behinderten- und Seniorenheime angefahren werden. Das Besondere: Der Zahnarztstuhl ist gleichzeitig ein Rollstuhl, mit dem gehbehinderte Patienten transportiert werden können.

Niederländer sind Vorreiter

Die Idee begeisterte Ahrberg und er versuchte, bei der Landeszahnärztekammer in Frankfurt eine Genehmigung dafür zu bekommen. „Die fanden die Idee nicht schlecht“, erzählt er. Trotzdem wurde sein Antrag abgelehnt – aus standesrechtlichen Gründen: Eine Zahnarztpraxis brauche einen festen Standort. Vor zwei Jahren versuchte er es bei der Kammer erneut – der Antrag wurde wieder abgelehnt. Eigentlich dürfte er das Dentomobil gar nicht vor dem Darmstadtium aufstellen. Die Kammer hat sein Ansinnen als „berufswidrig“ bezeichnet.

„Ich verstehe das nicht“, sagt er. Erst Mitte vergangener Woche hat die Landesärztekammer in Frankfurt „wandernde Fachärzte“ als Rezept gegen den drohenden Ärztemangel empfohlen. Die Mediziner sollen überall dort eingesetzt werden, wo ihre Hilfe dringend gebraucht wird. Warum also nicht auch in Pflegeheimen?

Altenwohnheime seien im Prinzip auch ein medizinisch unterversorgtes Gebiet. Kaum einer seiner Zahnarzt-Kollegen mache Hausbesuche. „Wenn ich einmal alt bin, will ich auch gut versorgt werden“, sagt der Zahnarzt, der 2005 den Verein „Die Gesundheitsengel“ gegründet hat und mit weiteren Ärzten und Helfern Menschen behandelt, die sich eine Behandlung nicht leisten können.

Ahrberg will ein Modellprojekt ins Leben rufen, das Signalwirkung für Deutschland haben soll. Dazu würde er auch finanziell in Vorleistung gehen: Die mobile Zahnarztpraxis koste samt Spülen und Einbauschränken 400 000 Euro. Jedes Mobil werde derzeit noch individuell angefertigt. Ahrbergs holländische Kollegen fahren damit acht Stunden lang Einsätze zu Seniorenwohnheimen. Im Schnitt behandeln sie etwa 30 Patienten am Tag.

Das kann sich Ahrberg auch in Darmstadt vorstellen. Unterstützt wird er dabei vom Seniorenrat und von vielen Damstädtern. Allein auf dem Seniorentag hat der Zahnarzt seitenweise Unterschriften für sein Projekt gesammelt. Die will er nun an die Zahnarztkammer nach Frankfurt schicken, um eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen. „Die Kammer hat schließlich die Aufgabe, die Versorgung sicherzustellen

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