Um 23 Uhr ist Schluss mit Notdienst

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in Rat, an wen man sich in Notfällen wenden kann, fehlt völlig. Auch der Anruf in der Notaufnahme Bremer Krankenhäuser bringt nur den Hinweis auf die Notfalldienstnummer. Dort geht man offenbar davon aus, dass dieser noch zu erreichen ist – mit nächtlichen Zahnschmerzen steht man also zunächst alleine da.

So stimme das nicht, sagt Dirk Mittermeier, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung in Bremen, die für den Notfalldienst verantwortlich ist. Die Zeiten für den Notfalldienst (in der Woche von 17 bis 19 Uhr und von 21 bis 23 Uhr) seien schließlich nicht willkürlich entstanden: „Wir bekommen Rückmeldungen aus den Notfalldienstpraxen, und die haben ergeben, dass es bei Auslastung des Notfalldienstes keinen Sinn ergeben würde, eine Praxis die ganze Nacht hindurch zu öffnen.“ Neben dem Zahnarzt müssten ja auch noch Helfer vor Ort sein. Es gebe auch keine Verpflichtung, den Notfalldienst die ganze Nacht über anzubieten. Außerdem sei es in den vergangenen Jahren zu Übergriffen in Praxen gekommen. „Gerade für unsere Kolleginnen ist es schwer, abzuschätzen, wen sie da gerade in ihre Praxis lassen“, erklärt Mittermeier.

„Wir haben eine gute Versorgung in Bremen“, stellt er fest. Vier Zahnarztpraxen haben im Stadtgebiet bis 21 Uhr Notdienst, bis 23 Uhr ist es noch eine. In Hannover dagegen übernimmt immer nur eine Zahnarztpraxis den Notfalldienst, dann aber bis 24 Uhr. Anders als in Bremen kann der zahnärztliche Notfalldienst in Hannover über die Nummer der Taxi-Zentrale erreicht werden. So dürfte zumindest immer jemand für Informationen bereitstehen; eine Bandansage, die wie in Bremen nur auf die Öffnungszeiten verweist, entfällt so.

„Notversorgung kann immer nur Vertretung sein“

Einen Grund für die Lücken in der zahnmedizinischen Notversorgung sieht Mittermeier darin, dass eine Zahnbehandlung im Vergleich zu anderen Notfällen meistens nicht so drängt. Zahnschmerzen seien in der Regel nicht lebensgefährlich. In vielen Fällen sei es am besten, wenn der Patient am kommenden Tag zu seinem Zahnarzt gehe. „Eine Notversorgung kann immer nur eine Vertretung sein, beim eigenen Zahnarzt ist man schon bekannt, und Unterlagen und Röntgenaufnahmen sind bereits vor Ort.“

Insgesamt gelte: Ruhe bewahren und sich fragen, ob für den Moment nicht ein Schmerzmittel ausreicht. Oftmals könne damit zumindest die Nacht überbrückt werden. Bei laufenden Behandlungen sollte am besten schon im Vorfeld gefragt werden, was zu tun ist, wenn die Schmerzen nachts oder am Wochenende zu stark werden. „Viele Zahnärzte geben da schon mal ihre Privatnummer heraus, um für den Patienten erreichbar zu sein“, so Mittermeier.

Allerdings: Völlig auf sich allein gestellt ist im Notfall keiner in Bremen. In den dringendsten Fällen kann man sich an das Klinikum Bremen-Mitte wenden. Dort wird in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie geholfen. Ein Hinweis darauf in der Bandansage des zahnärztlichen Notfalldienstes fehlt jedoch – und wird auch weiterhin fehlen: „Da im Klinikum nicht die ganze Bandbreite der allgemeinen Zahnmedizin angeboten werden kann, können wir es gar nicht angeben“, sagt Mittermeier. Die Ärzte dort hätten zwar sowohl einen Abschluss in Zahn- als auch in Humanmedizin, für einige zahnärztliche Tätigkeiten fehle den Klinik-Medizinern aber die Zulassung. Unabhängig davon sei man dort auf chirurgische Eingriffe spezialisiert und verfüge nicht über die Alltagspraxis eines Zahnarztes. In der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie werden unter anderem Verletzungen in Gesichts- und Mundbereich behandelt, Tumore entfernt und Fehlbildungen behandelt, auch ästhetische Chirurgie wird betrieben.

Darüberhinaus sei die Mund- und Kieferchirurgie auch nicht als Notdienst gedacht, die Station nicht darauf eingestellt. Außerdem befürchtet Mittermeier, dass schmerzgeplagte Patienten bei Nennung des Klinikums nicht den Notfalldienst bis 23 Uhr nutzen würden: „Wenn wir das Klinikum Mitte erwähnen würden, würde ja keiner mehr zum eigentlichen Notfalldienst gehen.“ Die Chirurgie sei nur im tatsächlichen Notfall aufzusuchen. Im Übrigen werde man auch in den Notfallpraxen nicht um Punkt 23 Uhr fortgeschickt. Mittermeier: „Wird vor 23 Uhr angerufen, warten die Zahnärzte auf ihre Patienten.“

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