Aus ängstlichen Blicken wurden lächelnde Gesichter

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Es hat ja gar nicht wehgetan: Die Tschernobylkinder, die derzeit in Schmitten zu Gast sind, besuchten Zahnärzte Markus Remde und Dr. Dunja Schnell

(mg). Schon auf dem Flur blickt Alina ängstlich um sich. Dennoch geht das neunjährige Gastkind aus der Nähe von Tschernobyl mutig in das Behandlungszimmer von Zahnarzt Markus Remde aus Niederreifenberg und setzt sich gehorsam auf den Stuhl. Der erfahrene Dentist lächelt das junge Mädchen an und versucht, mit einer beruhigenden Begrüßungsgeste sichtbar vorhandene Ängste zu nehmen. „Alina hat bisher sehr schlechte Erfahrungen mit Zahnärzten erlebt“, übersetzt Betreuerin Ludmilla Filip Chanka. Dabei besitzt Alina gute Zähne, diagnostiziert Remde. Nach der Untersuchung poliert er die Zähne und trägt abschließend eine Kalziumpaste auf, ohne den Blickkontakt aufzugeben. Nicht ohne vorher zu fragen, ob das Kind an einer Allergie gegen Milchprodukte leidet.

Alina gehört zu einer Gruppe von zehn Kindern, die bei Gasteltern des ökumenischen Arbeitskreises Schmitten ihren Urlaub bis zum 31. August verbringen und sich von den generationenübergreifenden Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von 1986 erholen. Um die Wartezeit zu verringern, besuchten am Tag zuvor schon fünf Kinder die Zahnarztpraxis von Dr. Dunja Schnell in Niederreifenberg. Als Nächstes ist Lia (10) bei Zahnarzt Remde an der Reihe. Bei ihr muss der Zahnstein entfernt werden. Zwei Löcher entdeckt Remde. „Da sie sich in den Milchzähnen befinden und diese schon stark wackeln“, erklärt der Zahnarzt, der seit 1997 die Kinder kostenlos behandelt, „muss man die Behandlung den Kindern nicht antun, da die Zähne ohnehin in Kürze ausfallen.“ Sollte beispielsweise eine aufwendige Zahnwurzelbehandlung anstehen, entscheidet Remde von Fall zu Fall. Kann sie aufgeschoben werden, teilt er Filip Chanka den Befund mit, damit das Kind in der Heimat einem Zahnarzt vorgestellt wird. „Ich möchte nicht, dass die Kinder ihre wenige Zeit eventuell mit Schmerzen hier verbringen müssen“, begründet Remde. Damit er sich voll und ganz auf seine jungen Patienten konzentrieren kann, assistiert Anna Stamm und reicht bei Bedarf eine Betäubungsspritze gegen den Schmerz, damit die Kinder die zahnärztliche Behandlung stressfrei in Erinnerung halten. Zudem notiert sie die Namen mit dem zugehörigen Befundergebnis.

Später im Wartezimmer lächelt Alina über das ganze Gesicht und wagt nicht, die aufgetragene Paste mit bioverfügbarem Kalzium und Phosphat runterzuschlucken. Nach nur zwei bis fünf Minuten Anwendungszeit wirkt sie schnell und Filip Chanka teilt ihr aufRrussisch mit, dass sie jetzt ruhig schlucken, für 30 Minuten aber nichts essen und trinken darf.

So eine einfühlsame Prophylaxebehandlung hatte Alina offenbar noch nie erhalten, wie ihre strahlenden Augen verrat

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