zwei Versionen und ein Patient mit HIV

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schaut man sich die Geschichte, besser beide Versionen mal genauer an, so kommen einem doch erhebliche Zweifel an der Story. So ganz schluessig scheint sie nicht zu sein und ob da viel mehr dran ist, als ein (provinzieller) Sturm im Wasserglas? Gruendsaetzlich ist wohl festzustellen, dass Helferinnen grundsaetzlich ueber zu spaet kommende Patienten veraergert sind, ganz gleich ob sie Schnupfen oder HIV haben.

Der Zahnarzt in Osthofen, in dessen Praxis vermutlich ein HIV-Patient aus Worms abgelehnt wurde (wir berichteten), meldete sich am Dienstag zu Wort. Für ihn ist der Vorgang unerklärlich:„Prinzipiell lehnen wir niemanden für eine Behandlung ab. Ich habe auch noch nie einen Patienten weggeschickt. Demnach muss es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände gehandelt haben.“ Leider sei er bei der betreffenden Begegnung in seiner Praxis nicht anwesend gewesen, er habe jedoch vollstes Vertrauen in seine Arzthelferin.

Keinen Anamnesebogen ausgefüllt

Diese berichtet nun, dass sie dem Patienten aus Worms, der zu dem angegebenen Zeitpunkt keinen Termin in der Praxis hatte, eigentlich einen neuen Termin geben wollte. Einen Anamnesebogen habe er nicht ausgefüllt, aber eben darauf hingewiesen, dass er HIV-positiv sei. „Ich sagte ihm dann freundlich, dass wir ihm gerne einen Termin an einem anderen Abend geben könnten, einfach weil wir so die Hygiene besser einhalten können. Ich wies aber auch darauf hin, dass wir auch schon Patienten mit dem HIV-Virus nach Mainz an die Uniklinik verwiesen haben“, berichtet die Arzthelferin, die ebenfalls betont, noch keinen Patienten wegen einer HIV-Infektion abgewiesen zu haben. Vielleicht habe der 38-jährige Wormser sie einfach missverstanden.

Dieser hält jedoch auch nach Rückfrage der WZ an seiner Version der Geschichte fest:„Als ich sagte, dass ich HIV-positiv sei, war die Antwort, dass es dann eher schlecht sei, mich in der Praxis zu behandeln.“

 

und so die erste Version:

Darf ein Arzt einen Patienten ablehnen, weil dieser mit HIV infiziert ist? Genau diese Erfahrung musste nun ein 38-jähriger Wormser (Name der Redaktion bekannt) erleben. Er benötigte Zahnersatz, rief darum in einer entsprechenden Praxis in Osthofen an und bekam einen Termin. Aufgrund eines Missverständnisses kam er jedoch zu spät zu diesem Termin, sodass er von der Mitarbeiterin in der Praxis gebeten wurde, einen ärztlichen Fragebogen zu unterschreiben.

„Da war auch ein Kästchen, wo man eben ankreuzen soll, ob man HIV positiv ist. Ich sagte das geradeheraus der Arzthelferin und die antwortete dann direkt, dass sie mich in diesem Fall nicht annehmen wolle. Ich war so platt, dass ich dann einfach gegangen bin“, berichtet der 38-Jährige. Die Dame allerdings verwies ihn noch an die Uniklinik Mainz, dort könne ihm geholfen werden. Auf Anfrage dieser Zeitung war der verantwortliche Zahnarzt in Osthofen bislang nicht erreichbar.

Zahnärztekammer reagiert mit Unverständnis

Mit der Aussage der Arzthelferin wollte sich der Wormser allerdings nicht abfinden – so erkundigte er sich schließlich bei seiner Krankenkasse und der Aidshilfe. Bei der Patientenberatung wurden ihm schließlich weitere Zahnärzte aus der Region genannt, die ihn behandeln würden. Für den 38-Jährigen ist diese Erfahrung allerdings sehr negativ: „Denn jeder Arzt muss sich ja vor einem Patienten so schützen, als ob er eine ansteckende Krankheit hat. Zumal etwa Hepatitis viel ansteckender ist als das HIV.“

Dr. Rainer Lehnen von der Landeszahnärztekammer betont auf Anfrage dieser Zeitung, dass sich Zahnärzte nicht weigern sollten, dementsprechend erkrankte Menschen zu behandeln: „Das gehört sich nicht und entspricht nicht unserer Berufsordnung – zudem verstößt ein solches Verhalten unserem Sicherstellungsauftrag.“ In der Berufsordnung steht etwa, dass ein Zahnarzt eine Behandlung ablehnen kann, wenn sie „ihm nach pflichtgemäßer Interessenabwägung nicht zugemutet werden kann“ oder wenn kein notwendiges Vertrauensverhältnis besteht.

Bei akuten Schmerzen unterlassene Hilfeleistung

„Und hätte der Patient Schmerzen gehabt, hätte es sich sogar um eine unterlassene Hilfeleistung gehandelt“, betont Lehnen. Generell würden die normalen Hygienevorschriften in einer Zahnarztpraxis ausreichen, um sich vor einer Übertragung mit dem HI-Virus zu schützen. Dem Patienten rät er, sich schriftlich über die Zahnarztpraxis zu beschweren. Ines Engelmohr, Sprecherin der Landesärztekammer hingegen betont, dass es auch weitere Ausnahmen geben kann, diese gelten für Ärzte im Allgemeinen: „Etwa wenn ein Arzt meint, dass seine Praxis nicht ausreichend für eine entsprechende Behandlung ausgerüstet ist, oder wenn er grundlegende Bedenken bei der Sicherheit hat.“ Dennoch sollte ein Arzt dann den Patienten wenigstes weiter verweisen.

Der 38-jährige Wormser hat mittlerweile einen Zahnarzt gefunden, der ihn behandeln wird. „Bislang hatte ich viele gute Erfahrungen mit Ärzten in Worms gemacht. Durch dieses Erlebnis allerdings muss man sich immer wieder fragen, ob man offen mit der Krankheit umgeht – denn es gibt wohl noch viele Vorurteile“, betont er.

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