wenn sich der Zahnarzt auf die Behandlung von Kindern spezialisiert hat

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Wer sich in der Praxis von Dr. Ulrich B. behandeln lassen will, der bekommt – wie überall sonst auch – einen Termin. Möglichst schnell natürlich, betont der Zahnarzt, vor allem, wenn“s schon zieht und pocht im Kiefer. Doch nicht immer diktiert der Terminplan den Alltag in der Praxis im Wette-Center. Oft sind es die kleinen Patienten, die das Tempo vorgeben. Denn bei Ulrich Brenner sind es die Kinder, die bestimmen, wann sie auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen und wann – im schlimmsten Fall – der Arzt mit dem Bohrer ran darf. Das Credo des Dentisten: „Man muss einfach Zeit haben. Auch wenn eigentlich gar keine Zeit ist.“

Sein Aha-Erlebnis hatte Ulrich B schon während des Studiums. Die Oberärztin im Klinikum, in dem er lernte, behandelte Kinder – auch solche, die als „unbehandelbar“ galten. Durch ein Fenster hindurch wollte der Medizinstudent sie bei ihrer Arbeit beobachten. Doch beim Blick durch die Oberlichter sah er – nichts. „Der Stuhl war leer“, erinnert er sich. „Und die Ärztin saß auf dem Boden und spielte mit dem Kind.“

Damals waren Zahnärzte, die sich mit kindgerechter Behandlung beschäftigten, regelrechte Exoten. Heute gehört die Kinderbehandlung als Teilfach zum zahnmedizinischen Studium selbstverständlich dazu, erzählt Brenner. Als er jedoch als junger Arzt 1975 zu praktizieren begann, waren Dentisten, die sich auf die Bedürfnisse der Kleinsten einließen, rar. Statt dessen ging es mitunter „rustikal“ in den Praxen zu, umschreibt Brenner die zupackende Art mancher Kollegen. Doch bei Kindern können solche Behandlungsmethoden Spuren hinterlassen. „Da kann man nicht so forsch vorgehen.“ Landen sie irgendwann auf Bs Stuhl, braucht es Geduld und Fingerspitzengefühl, damit sie überhaupt noch einmal den Mund öffnen. Beides legt der Arzt aber nicht nur bei Kindern und Jugendlichen an den Tag, die bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben. Für ihn ist das Vertrauen zwischen Arzt und Patient in jedem Fall grundlegend – und um das aufzubauen, braucht es eben Zeit.

Weswegen „außer Gucken“ überhaupt nichts passiert, wenn ein Kind zum ersten Mal auf den Behandlungsstuhl des inzwischen 63-Jährigen klettert. Dass es das freiwillig tut, ist die Voraussetzung dafür, dass es überhaupt erst losgehen kann. Gemeinsam mit dem Arzt nehmen die Kleinen dann die Instrumente unter die Lupe und probieren sie am Finger aus. „Die Kinder müssen mich erst einmal kennen lernen“, findet B. Hilfreich dabei sei es, kein aalglattes Hochdeutsch zu sprechen, sondern Schwäbisch, ist seine Erfahrung. Lässt sich ein Kind schließlich auf eine Untersuchung oder Behandlung ein, dann kann es diese auch einfach wieder stoppen: Das Heben der linken Hand heißt: Auszeit für Sauger oder Bohrer. Darüber hinwegsehen, weil nur noch ein klitzekleines Bisschen zu tun wäre, um die Behandlung abzuschließen? Ulrich Brenner schüttelt den Kopf. „Würde ich nicht aufhören, wenn das Kind streckt, wie würde ich denn dastehen? Das Kind glaubt mir nie mehr etwas.“ Auch sich über bestehende Ängste hinwegzusetzen, macht die Situation seiner Meinung nach nur schlimmer: „Wenn ein Kind schon Angst hat, und ich komme dann noch mit der Spritze – da ist alles vorbei.“ Und was dann? Was, wenn wirklich nichts geht und sich ein Kind mit Händen und Füßen und lautstark brüllend gegen eine Behandlung wehrt? „Im schlimmsten Fall muss ein Kind unter Vollnarkose behandelt werden“, erklärt Brenner.

Für die meisten Jungen und Mädchen ist es aber gar kein Problem, angstfrei zum Zahnarzt zu gehen. Zahlreiche Fotos an den Wänden zeigen sie, wie sie mit vergnügten Gesichtern auf dem großen Behandlungsstuhl hocken. Sie kennen den Arzt schon von klein auf, weil ihre Eltern sie zu ihren eigenen Routinekontrollen mitgenommen haben. Ein Vorgehen, das der Dentist unbedingt empfiehlt. Besonders, wenn Eltern selbst ein entspanntes Verhältnis zum Zahnarzt hätten, lerne der Nachwuchs die Praxisbesuche als etwas völlig Normales kennen. Angst kommt so erst gar nicht auf. „Dann macht auch mir die Arbeit mehr Spaß“, sagt B lächelnd. Hilfreich sei auch die enge Zusammenarbeit mit Kindergärten, die B und andere Zahnärzte seit Jahren pflegen. Als Paten klären sie in den Einrichtungen Kinder und Erzieherinnen über die richtige Zahnpflege auf und bekommen auch Besuch in den Praxen. Im Mittelpunkt dieser Zusammenarbeit steht dann immer die Prophylaxe. „Ich will mit meinem Bohrer nicht immer der Karies hinterherrennen“, beschreibt B das Ziel. Und in Sachen Vorsorge habe sich tatsächlich viel getan in den vergangenen Jahren. B: „Früher musste ich viel mehr Kinderzähne reparieren.“

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