Der Zahnarzt, der seine eigenen Zähne behandelt

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Er ist schon zu Lebzeiten eine Legende. Wenn sein Name fällt, dann sprudeln die Anekdoten nur so aus den Mündern in Ennepetal. Kein Wunder, Herbert Pack hat in viele dieser Münder geschaut. Gestern feierte der Voerder Zahnarzt seinen 95. Geburtstag.

Unvergessen die Geschichte, als der Zahnarzt selbst auf Granit biss. Der Zahn des Patienten „Erich“ saß so fest, dass Herbert Pack – in Abstimmung mit dem Patienten – zu folgender Maßnahme griff: Der Patient musste den Zahnarzt-Stuhl verlassen, sich „eine Etage tiefer“ auf den Boden hocken. Pack setzte die Zange an und zog „den Erich“ am Zahn fünf Meter über den Fußboden. Ergebnis: Zahn raus!

Selbstbehandlung
vor dem Spiegel

Aber nicht nur diese Geschichte sprach sich in der ganzen Stadt herum, sondern auch, dass er sich im Berufsleben selbst nicht schonte. Seine Selbstbehandlungen mit dem Bohrer vor dem Spiegel verursachten vielen eine Gänsehaut. Dennoch war sein Wartezimmer immer voll. Schließlich nahm er sich für seine Patienten immer Zeit. Außerdem gab es viel zu erzählen.

Allerdings: „Mit meinen eigenen Kindern hatte ich mehr Arbeit und Gedöne, als mit Fremden. Die haben einfach immer rumgezappelt“, erinnert sich der Jubilar. Und gleich fällt ihm ein: „Es kamen mehr Frauen zu mir als Männer“. Seine Augen leuchten und er lächelt verschmitzt.

Der Altersjubilar wurde in Wuppertal-Elberfeld geboren, siedelte in jungen Jahren mit den Eltern nach Ennepetal um. Seit dem Jahr 1949 praktizierte Herbert Pack als Zahnarzt, zuerst an der Kirchstraße, später im schmucken Eigenheim an der Flurstraße. Seine Frau Linde hielt ihm den Rücken frei.

Doch nicht nur in seiner Praxis traf der Jubilar den richtigen Nerv. Auch als Filmemacher hat sich Pack einen Namen gemacht. So zum Beispiel 1961, als in der Villa Bilstein hoher Besuch erwartet wurde. Herbert Pack konnte es kaum glauben, als ihn Unternehmer Hans Bilstein anrief: Felix Graf Luckner – „der Seeteufel“ leibhaftig – hatte sich angesagt und solche Augenblicke wollen für die Ewigkeit festgehalten sein. Für Hans Bilstein kam da nur einer in Frage: Herbert Pack. Und der „filmende Zahnarzt“, wie er noch heute liebevoll genannt wird, ließ sich nicht zweimal bitten.

Die Filmerei nahm für Herbert Pack geradezu rasante Züge an. So war er auch auf dem Nürburgring kein seltener Gast. Da kamen ihm Rennfahrergrößen wie Jochen Rind vor die Linse – und auch Hannelore Werner, die damals als die schnellste Frau Deutschlands galt, entging seinem Auge nicht.

Viele Filmschätze
im Hobbyraum

In seinem Hobbyraum in der Flurstraße in Voerde hütet er seine Schätze. Ein wahres Paradies für Filmer und Fotografen. In den Schränken unzählige Filmrollen. Alte und moderne Projektoren und Kameras lassen die Herzen jedes Filmers höher schlagen. „Meinen ersten Fotoapparat habe ich als Kind geschenkt bekommen – es war so eine einfache Kamera. Die kostete damals eine Mark“, erzählt Herbert Pack. Aber auch auf die neue Technik lässt sich Herbert Pack gern ein, besitzt auch einen modernen Camcorder.

Sein Meisterwerk war wohl der Film über Ennepetal. An dem hat er viele Jahre gearbeitet. Angefangen hat er Ende der 50er Jahre. Herbert Pack ist sein eigener Regisseur. 1974 drehte er in Ennepetal einen Film über einen Film. Er verfolgte die Entstehung des Kinowerkes „Zündschnüre“, der damals für viel Furore sorgte. Das Drehbuch schrieb der Schwelmer Liedermacher Franz-Josef Degenhard.

 

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