preiswerte Goldkronen oder „Das teure Star-Lächeln“

by

interessanter Beitrag über eine „preiswerte Goldkrone“

Überkronte Zähne und Implantate sollen ab 2012 deutlich mehr kosten. Die Zahnärzte wollen nach 23 Jahren endlich eine Verbesserung ihrer Vergütungen haben.

Strahlend weiße Zähne wie die Superstars hätte ein jeder gern. In der Regel ist das nur eine Frage des Geldes, sollte man nicht von Haus aus mit einem makellosen Gebiss gesegnet sein. Wer sich jedoch ein Star-Lächeln leisten möchte, sollte möglichst noch in diesem Jahr tief ins Portemonnaie greifen. Denn Rote-Teppich-Beißerchen sind ab 2012 eine knackige Investition. Bis zu 29 Prozent sollen die Preise für Kronen und Implantate in die Höhe schnellen. Während dem Patienten da das Star-Lächeln schnell vergehen kann, fordern die Zahnärzte endlich eine Anpassung der Gebühren. „Denn seit 23 Jahren hat es keinerlei Veränderung gegeben“, versichert Dr. Rüdiger Schott, Vorsitzender des Zahnärztlichen Bezirksverbands Oberfranken, gegenüber der Frankenpost.

Eine Krone für 330 Euro

Eine einfache Krone soll künftig um etwa 74 Euro teurer werden. Das würde einen Anstieg von 256 auf 330 Euro bedeuten. Bei einer Teleskop- oder Konus-Krone drohe sich der Preis sogar auf 513 Euro fast zu verdoppeln. Die neue Gebührenordnung soll Anfang nächsten Jahres in Kraft treten, sobald Regierung und Bundesrat diese beschlossen haben. Dr. Schott ist davon überzeugt, dass die seit 20 Jahren währenden Bemühungen „nur um eine Anpassung an die Inflation“ diesmal von Erfolg gekrönt sind. „So, wie ich die Politik einschätze und Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr interpretiere, ist er fest entschlossen, das durchzuziehen“, meint der Bezirksvorsitzende.

Schott verdeutlicht, „dass es nur teurer wird, wenn sich der Patient außerhalb der Regelversorgung befindet“. Im Klartext: Wer einer preiswerteren Goldkrone eine aus Keramik vorzieht, muss dafür bezahlen. Das war auch bislang schon so. „Das ist wie mit dem Autofahren: Fährt man einen Fiat 500 oder einen Fünfer BMW“, meint Schott. Früher sei die Relation anders gewesen, doch heute verdienten Zahntechniker immer mehr, „und wir als Zahnärzte tragen das volle Risiko“, beklagt der Bezirksvorsitzende. Und Politikern wie Andrea Nahles, die den Zahnärzten unterstellten, ein sattes Einkommensplus auf Kosten der gesetzlich Versicherten einzuheimsen, wirft Schott vor, sich nach der Diätenerhöhung 2009 jetzt schon wieder einen kräftigen Schluck zu gönnen. „Wasser predigen, aber Champagner trinken“, so die Anklage Dr. Rüdiger Schotts.

Vor allem bei Zahnkronen stimme die Bezahlung schon lange nicht mehr, rechnet er vor. Es gebe von der Kasse um die 220 Euro für eine Krone, während die Kosten einer Praxis pro Stunde bei 250 Euro lägen. „Und von der Beratung bis zur Anpassung dauert es pro Krone zweieinhalb bis drei Stunden insgesamt.“

„Kein Grund zur Panik“

Angst davor, dass sich Patienten nach der Kostenerhöhung verstärkt nach Tschechien orientieren, hat Dr. Schott nicht. „Das ist ein ganz anderer Rechtskreis. Und wenn man sich nicht klar mit dem Arzt austauschen kann, ohne vorher einen Volkshochschulkurs besucht zu haben, ist das keine gute Basis“, meint er.

Dr. Thomas Sommerer aus Marktredwitz, Obmann der Zahnärzte im Landkreis Wunsiedel, spricht von etwa 65 Zahnärzten, Assistenten und angestellten Zahnärzten, die im Landkreis Wunsiedel arbeiten. „Und die sind über den Referentenentwurf und die von den privaten Krankenkassen gestreuten Gerüchte über Erhöhungen zwischen 29 und 60 Prozent äußerst unzufrieden.“

Dr. Sommerer sieht derzeit „keinen Grund zur Panik“. Die Gebühren für gesetzlich Versicherte blieben unverändert, betont er. „Nur höherwertige Versorgungen sind betroffen. Der Zahnarzt legt seine Gebühren für Privatpatienten nach Zeitaufwand und Schwierigkeitsgrad innerhalb eines gesetzlich vorgegebenen Rahmens fest. Einen Steigerungs-Rahmen von fix 29 Prozent gibt es so also nicht. Die Honorare in unserer Region sind eher unterdurchschnittlich, überzogene Honorare lässt die Einkommenssituation unserer Patienten nicht zu. Es besteht daher in den Praxen momentan noch kein Handlungs- oder Beratungsbedarf.“ Auch von den Patienten kämen bislang noch keine Nachfragen.
Was Dr. Sommerer beklagt, ist die Steigerung der Kosten in den Zahnarztpraxen in den letzten 23 Jahren um etwa 63 Prozent. „Gründe dafür sind neben höheren Lohn- und Materialkosten auch gesetzliche Vorgaben wie Arbeitssicherheit, Röntgenverordnung, Hygieneverordnung, Qualitätsmanagement oder Bürokratie.“ Die Kosten für zahntechnische Leistungen lagen laut Dr. Sommerer früher bei unter 50 Prozent, heute seien sie bis auf 80 Prozent der Gesamtkosten gestiegen. Als Gründe dafür nennt er die hochwertige technische Ausstattung der zahntechnischen Laboratorien und die gestiegenen Lohn- und Materialkosten, „hier vor allem die momentan extrem hohen Goldpreise“.

Keinen Cent mehr

Während die Gebührenordnung für gesetzlich Versicherte jedes Jahr moderat an die allgemeine Kostenentwicklung angepasst worden sei, sei die GOZ seit 1988 um keinen Cent beziehungsweise Pfennig erhöht worden, kritisiert der Obmann der Zahnärzte.

Schlagwörter:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: