Geplante Gebührenerhöhung bei Zahn-Zusatzleistungen: Zusatzversicherte müssen sich keine Sorgen machen

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Wer hiesige Zahnärzte um ihre Sicht auf die Diskussion um die Erhöhung der Gebühren für Zahnersatzleistungen fragt, gewinnt den Eindruck, dass sich der Streit um einen zahnlosen Tiger dreht. Statt der von Politikern und Krankenkassen angekündigten massiven Kostensteigerung bei Zahnkronen, -prothesen und Brücken prognostizieren sie eine Gebührenanhebung um lediglich sechs Prozent.

Dr. Wolfgang Elsner, Vorsitzender der Bezirksstelle Tecklenburg der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, geht sogar einen Schritt weiter: Er glaubt, dass die anvisierte Gebührenerhöhung politisch nicht durchsetzbar sein wird. „Ich befürchte, dass sich der Bundesrat sperren wird“, sagt der Zahnmediziner auf Anfrage unserer Zeitung. Denn gerade auf die Länder als Arbeitgeber für zahlreiche Beamte kämen – wie bei allen Privatversicherten – Mehrkosten zu.

 

Zum Hintergrund: Wie berichtet, hat die Bundesregierung einen Entwurf zur Änderung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) vorgelegt. Erste Patienten erkundigten sich nach Mehrkosten, so Dr. Wolfgang Elsner, der in Ladbergen praktiziert. „Die Diskussion wird sehr einseitig vonseiten der privaten Krankenversicherer geführt“, sagt er. Die auch in unserer Zeitung genannte Zahl von 74 Euro pro Krone nennt er illusorisch. „Auf sechs Prozent hat man sich politisch geeinigt für die Gesamtleistungen in der privaten Gebührenordnung“, so Elsner. Sprich: Für Kronen, Brücken, Prothesen.

„Das ist wie bei einem Auto“, so der Zahnmediziner. „Für die Leistung der gesetzlichen Krankenkasse bekomme ich die Grundausstattung. Wenn ich mehr darüber hinaus möchte, muss ich dafür bezahlen.“ Dass eine Gebührenerhöhung erfolgen muss, steht für Elsner außer Frage. Seit 1988 sei die GOZ unverändert. Angesichts der Kostensteigerungen lebten die Zahnärzte mit einem Honorarverlust von 60 Prozent.

Von einer „undifferenzierten Panikmache der gesetzlichen Krankenkassen“, spricht gar Dr. Klaus Bartling, Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Er verweist in einer Pressemitteilung darauf, dass gesetzlich Versicherte von der Erhöhung nur betroffen seien, wenn sie Leistungen über den Grundzuschuss hinaus in Anspruch nehmen.

Ganz anders äußert sich Kai Behrens, Sprecher der Barmer GEK, auf Anfrage: „Es sind Kostensteigerungen von erheblichem Maße zu erwarten.“ Die gesetzlichen Krankenkassen vermissten Transparenz in der privaten Gebührenordnung der Zahnärzte. Etwa 60 Prozent aller Leistungen beim Zahnarzt würden schon heute privat abgerechnet. Versicherte hätten keine Chance, Kosten nachzuvollziehen.

„Die Regelungen wirken sich für gesetzlich Krankenversicherte sehr negativ aus, weil keine Öffnungsklauseln zugunsten von Verhandlungs- und Vertragsmöglichkeiten der gesetzlichen Krankenkassen enthalten sind“, sagt Jens Kuschel, Pressesprecher der AOK Nordwest.

Die gesetzlichen Krankenkassen dürften für Zahnersatz aufgrund gesetzlicher Regelungen seit 2005 nur noch Festzuschüsse bezahlen. Versicherte müssten neben ihrem Eigenanteil nach den Preisen für gesetzlich Krankenversicherte außerdem zusätzliche, nach der GOZ abzurechnende Leistungen aus eigener Tasche bezahlen.

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