täglich wächst die Sorge

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Von Rostock aus verfolgt Zahnarzt Ahmed Adubae die Unruhen in seiner Heimat Jemen. Sobald er Facharzt ist, will er zurück nach Hause. Wenn Ahmed Adubae seine Arbeit in der Rostocker Zahnklinik beendet hat, verbringt er den Rest des Tages in seinem Zimmer im Studentenwohnheim vor dem Fernseher und im Internet. „Mein Herz und meine Gedanken sind in der Heimat“, sagt der Jemenit. Mit großer Sorge verfolgt der 32-Jährige die Demonstrationen in seiner arabischen Heimat. Viel sei es nicht, was er über die Nachrichtenkanäle erfahre, sagt er.

Seit drei Jahren lebt der Familienvater in Deutschland, hier macht er seinen Facharzt als Kieferchirurg: Die Rostocker Universität kooperiert seit Jahren mit der Universität Aden. Zu Beginn der Unruhen im Jemen habe es noch viele Berichte gegeben, jetzt lasse das öffentliche Interesse wohl nach. „Ich will hier aufklären, was wirklich zu Hause passiert“, sagt Adubae. Deshalb hat er Filmaufnahmen seiner Freunde aus dem Jemen ins Internetportal YouTube gestellt.

Seit zwei Jahren war Adubae nicht mehr zu Hause. Jetzt sei seine Sehnsucht und seine Sorge um die Familie so groß wie nie zuvor. Als kürzlich in seiner Heimatstadt Taiz 19 Demonstranten getötet worden seien, sei er tief bestürzt gewesen. „Wir Jemeniten haben Anspruch auf Freiheit“, sagt Adubae. Er ärgere sich darüber, dass die Regierung die Demonstranten als bewaffnete Unruhestifter darstelle.

Die meisten Jemeniten seien sehr arm, erzählt der Zahnarzt. Er beklagt die mangelnden Zukunftschancen seiner Landsleute. „Viele Akademiker sind ins Ausland gegangen.“ Er selbst sei fest entschlossen, wieder nach Aden zurück zu gehen, sobald er seinen Facharzt in der Tasche habe – allein schon, weil er bereits einen Vertrag mit seinem Arbeitgeber, der Universität Aden, habe, die ihm das Stipendium in Deutschland finanziert.

Die Universität in Rostock hat in Aden ein Zentrum zur Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten aufgebaut. Zahnmediziner werden vor Ort von Deutschen geschult oder vertiefen in Mecklenburg-Vorpommern ihr Wissen. Adubae ist froh, sich hier fachlich zu qualifizieren, denn die deutsche Zahnmedizin ist hoch angesehen. Der Wermutstropfen: Seine Frau und seine beiden kleinen Töchter leben in Aden. Einen Flug in den Jemen, um seine Familie zu besuchen, kann sich der Stipendiat nicht leisten. Das Geld reiche kaum zum Lebensunterhalt. „Ich lebe wie ein Student“, sagt der 32-Jährige.

Seine Ehefrau sei Hausfrau , wie 60 Prozent der Frauen im Jemen habe sie keinen Schulabschluss. „Ich bin begeistert von ihr, denn sie hat viel vom Leben gelernt“, sagt er über seine Frau Nagwa, die er bereits als Kind kennengelernt hat.

Adubae hat sechs Geschwister und ist der einzige, der studiert hat. Die Erwartungen der Verwandtschaft seien hoch. „Das ist Motivation, aber auch Druck.“ Er hat bereits in Aden fünf Jahre als Assistenzarzt gearbeitet. Schon als Kind träumte er davon, Chirurg zu werden. Er entschied sich dann für Zahnmedizin, als er sah, wie viele seiner Landsleute dringend zahnmedizinische Hilfe benötigen. „Unser Land braucht ausgebildete Menschen, ich möchte dort gerne helfen“, sagt der Akademiker. Der Weg dahin sei hart. Und bei den momentanen Unruhen im Jemen steige die Angst täglich. Denn wer wisse schon, wie die Zukunft in der Heimat aussehen werde. „Wenn meine Familie hungert, dann muss man hier in Deutschland seinen Weg suchen.“

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