Loch im Zahn reißt ein Loch in die Zahnarztkasse

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Mann lässt sich Zähne richten, zahlt aber nicht. Geldstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt:

Nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stand bislang dieser Mann. Trotz all seiner in der Jugend begangenen Verfehlungen. Diesmal musste er sich wegen Betrugs verantworten.

Längst kann er wieder ohne seine vorherigen Löcher schmerzfrei kauen. Während sein Zahnarzt noch immer ein kleines Loch in der Kasse beklagt. Kunststofffüllungen wollte der 53-Jährige haben. Die aber kosten zusätzlich Geld. 160,27 Euro musste der Patient aus eigener Tasche beisteuern. Doch weder die Rechnung noch die Mahnungen kamen angeblich bei ihm an. Zum Doktor zurück kamen sie aber auch nicht. Letztlich war wohl alles „nur ein Versehen. Ich brauche den Arzt nämlich noch.“ Mit den Ratenzahlungen hätte er ja schon begonnen, jammerte der körperlich schwer angeschlagene Angeklagte.

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Mit einem außergewöhnlichen, bis dahin in Schwabmünchen einmaligen Urteil wartete eine einfühlsame Richterin auf. So setzte Susanne Hillebrand erstmals eine Geldstrafe – hier 90 Tagessätze zu je zwölf Euro – zur Bewährung aus. Sollte der 53-Jährige aber nicht der Auflage nachkommen, den noch ausstehenden Schaden (100 Euro) in monatlichen Raten von je 20 Euro abzustottern, dann verfällt die Bewährung und er muss zahlen. Im juristischen Sinn war von einer Verurteilung mit Vorbehalt die Rede.

Angeklagter hatte 17 Vorstrafen

Gleichzeitig gab die Strafrichterin den von zahlreichen Operationen, Krankheiten und Unfällen gezeichneten Mann aber auch zu verstehen: „Wer Leistungen in Anspruch nimmt, muss auf seine wirtschaftlichen Verhältnisse hinweisen. Denken Sie in Zukunft daran.“ Dennoch sehe sie bei diesem Fall „keine zielgerichtete Absicht“. Es liege zwar Betrug vor, aber der Vorsatz befinde sich im „extrem untersten Bereich“. Aufs Tapet kamen letztlich auch die 17 Vorstrafen, die bis auf wenige Ausnahmen in der Jugend- und Drangzeit des Angeklagten zu suchen sind.

Von einer angeblich mit seiner Sprechstundenhilfe vereinbarten Ratenzahlung wusste der Zahnarzt nichts. „Wenn, dann wird diese Vereinbarung auch vermerkt.“ Mittlerweile hätte er, wenngleich auch in großen Zeitabständen, 60 Euro erhalten. Nein, er wisse nicht, in welchen wirtschaftlichen Verhältnissen der zu 50 Prozent schwerbehinderte Mann lebe. Erst später wurde deutlich, dass er bereits vor Beginn der Behandlung die eidesstattliche Versicherung abgelegt hatte.

Trotz des „relativ geringen Schadens“, doch unter anderem auch wegen der Vorstrafen und der damaligen Strafrestbewährung beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine dreimonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung sowie 80 Stunden gemeinnützige Hilfsdienste. „Ich habe mir doch nichts mehr zuschulden kommen lassen. Ich habe nicht mehr an die Kunststofffüllungen gedacht, weil ich innerhalb eines Jahres siebenmal im Krankenhaus war“, versicherte ein sichtlich geknickter Angeklagter.

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