Zahnarztverprügler landet in der Klapse

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Ein Verbrecher sei er nicht, denn wegen seiner Krankheit sei er schuldunfähig. Gefährlich für die Allgemeinheit sei er dennoch. Mit dieser Begründung hat das Landgericht Stuttgart gestern entschieden, einen 28-jährigen psychisch kranken Mann bis auf weiteres in einer geschlossenen Klinik unterzubringen. Seine paranoide Schizophrenie hatte ihn im September 2009 dazu getrieben, einen Zahnarzt zu verprügeln.Der Angeklagte war im Herbst 2009 in eine Zahnarztpraxis in einem Leonberger Teilort gestürmt und hatte lautstark gefordert, man müsse ihm „die Wanze entfernen“. Er war überzeugt, durch einen Chip in einer Zahnfüllung verfolgt zu werden. Außerdem höre er Stimmen – typische Symptome seiner Krankheit, wie ein Gutachter vor dem Landgericht erklärt hatte. Weil der Zahnarzt ihm nicht helfen konnte, verpasste der Angeklagte ihm einen Faustschlag und einen Tritt. Dann warf er Fensterscheiben mit Steinen ein.

Nach der Tat war der 28-Jährige sechs Wochen in einer Klinik, dann war er entlassen und wieder eingewiesen worden, wenn auch nur für einen Tag. Im Herbst 2010 stellte sein Vater den Antrag, ihn erneut in einer Klinik unterzubringen. Denn sein Sohn hatte aufgehört, seine Medikamente zu nehmen. Darum wurde sein Wahn wieder akuter. Etwa hatte der 28-Jährige die Stromkabel in der Wohnung durchtrennt.

Damals ließ das Gericht den Mann vorläufig einweisen, nun ist der Angeklagte bis auf weiteres in einer geschlossenen Psychiatrie. Auch, weil er seine Medikamente selbstständig abgesetzt hatte, als er zu Hause war, so der Richter. „Das ist keine Strafe“, stellte dieser in seiner Urteilsbegründung klar. „Denn obwohl Sie objektiv Straftaten begangen haben, sind Sie dafür nicht zur Verantwortung zu ziehen“, erklärte er dem Angeklagten. Für eine Bewährung sei es noch zu früh. Der Gutachter hatte während des Prozesses erklärt, dass der Angeklagte die Krankheit noch nicht im Griff habe. Stimmen höre der Patient zwar nicht mehr, so das Gutachten, verfolgt fühle er sich aber noch. Es sei noch nicht klar, welche Medikamente er genau brauche. Zudem sehe der Patient noch gar nicht ein, dass er überhaupt krank ist.

Der Verteidiger des 28-Jährigen argumentierte zwar, sein Mandant habe nach dem Angriff auf den Zahnarzt niemanden mehr geschlagen. Dennoch kamen Richter und Schöffen zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte gefährlich ist. „Im Sinne unserer Verantwortung für die Allgemeinheit, bleibt uns keine andere Wahl“, sagte der Richter. „Obwohl es uns nicht leicht fällt.“ Schließlich sei der Mann kein Verbrecher.

Wie lange der Patient nun geschlossen untergebracht wird, ist offen. Ein bis zwei Jahre müsse man sicherlich rechnen, in erster Linie sei das aber eine medizinische Entscheidung, erklärte der Richter. Wenn die Behandlung gut laufe, werde Schritt für Schritt daran gearbeitet, dass er wieder auf freien Fuß gesetzt wird.

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