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Goiserer Zahnarzt stürmt Mount Everest

Juni 2, 2010

Wie die oberösterreichischen Nachrichten berichten, hat der Goiserer Zahnarzt Robert Miller (48) mit dem Mitterndorfer Sepp Ranner (54) den Gipfel des höchsten Berges der Welt, des Mount Everest (8850 Meter), erklommen – fast ein wenig im Schatten von Gerlinde Kaltenbrunner.

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BAD GOISERN. Wie berichtet, hat der Goiserer Zahnarzt Robert Miller (48) mit dem Mitterndorfer Sepp Ranner (54) den Gipfel des höchsten Berges der Welt, des Mount Everest (8850 Meter), erklommen – fast ein wenig im Schatten von Gerlinde Kaltenbrunner.

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Von Gary Sperrer

–>OÖN: Über Ihre Everest-Besteigung gehört auch geschrieben, finden Sie nicht auch?

Robert Miller: Naja, die Leistung von Gerlinde ist einzigartig, ohne Sauerstoff auf den Everest zu gehen. Das ist gewaltig. Da können und möchten wir uns nicht ins gleiche Boot stellen.

OÖN: Aber ihr beiden seid auch auf dem Gipfel gewesen.

Miller: Wir waren auch oben. Wir haben uns sehr gefreut, haben schönes Wetter gehabt und einen besseren Gipfeltag als Gerlinde. Sie ist am 23. Mai nicht gegangen, weil es sehr kalt war. Wenn man ohne Sauerstoff geht, ist natürlich die Zirkulation schlechter und die Gefahr von Erfrierungen höher.

OÖN: Wann seid ihr auf dem Gipfel gestanden?

Miller: Am Sonntag, dem 23. Mai.

OÖN: Was war das für ein Gefühl, auch angesichts der Tatsache, dass es ja nicht nur um den Gipfeltag geht bei so einer Expedition, sondern dass es langer Vorbereitungen und Akklimatisierungsphasen bedarf?

Miller: Ich habe mich die vergangenen 30 Jahre intensiv mit dem Everest beschäftigt, war 2005 auf der Nordseite hoch oben, war mit Gerlindes Ehemann Ralf Dujmovits schon vor 20 Jahren auf seinem ersten Achttausender, dem Daulaghiri, als Expeditionsarzt mit, 2007 waren wir gemeinsam auf meinem ersten Achttausendergipfel, dem Broad Peak. Unsere Wege haben sich eigentlich immer wieder gekreuzt. Und das Gefühl war für mich so, dass es auf der einen Seite mein Abschluss der Seven Summits (höchste Gipfel der einzelnen Kontinente, Anm.) war, auf der anderen Seite war es ein Ankommen auf einem ganz hohen Berg, am Ziel eines langen Weges, Demut, weil der Everest wirklich ein großer Berg ist. Für mich war es eine große Freude und eine große Demut, dorthin kommen zu dürfen und so einen Gipfeltag zu erwischen.

OÖN: Sie haben gerade in einem Nebensatz bescheiden erwähnt, dass der Everest Ihr Abschluss der Seven Summits war.

Miller: Ja, der allerhöchste Berg war gleichzeitig der Abschluss dieses Projekts. Das hat sich im Laufe der Jahre aber so ergeben durch meine Führungstätigkeit. Ich war öfters mit einer Polin unterwegs, die Chefredakteurin von „National Geographic“ in Prag ist.

OÖN: Wann haben Sie mit dem Unternehmen Seven Summits begonnen?

Miller: Vor 15 Jahren. Da war ich mit dem im Vorjahr am Nanga Parbat verunglückten Wolfgang Kölblinger am Mount McKinley. Der Wolf war ein guter Freund von mir. Ein großer Verlust.

OÖN: Wie lange seid ihr auf dem Gipfel gewesen?

Miller: Eine halbe bis eine dreiviertel Stunde. Zumindest was wir an den Fotos gesehen haben. Selbst kann man die Zeit nicht abschätzen. Das war auch der Grund, warum sich der Sepp die Finger der rechten Hand ziemlich erfroren hat. Da hat’s minus 30 bis minus 40 Grad. Dann ist seine Sauerstoffmaske gebrochen. Er hatte das Glück, dass er die Maske vom Sherpa bekommen hat. Das war knapp. Man darf den Berg nicht unterschätzen. Man hat zwar alle technischen Möglichkeiten, aber wenn die Sauerstoffmaske bricht, was passieren kann, dann wird’s heikel.

OÖN: Habt ihr euch das alles selbst organisiert oder wart ihr Teil einer größeren Gruppe?

Miller: Ich habe einen guten Bekannten in der Schweiz, über den habe ich das organisiert. Der hat wiederum eine Agentur in Kathmandu, und die übernehmen die Basisorganisation, ohne die man keine Chance hat.

OÖN: Gibt es für Sie schon ein nächstes Projekt? Vielleicht die Seven Second Summits, also die zweithöchsten Berge der Kontinente?

Miller: Das wäre noch ein interessantes Projekt. Aber das sind so Sachen, wo man sagt, da ist man sich selbst verpflichtet. Das möchte ich eigentlich nicht machen. Aber Möglichkeiten hätte ich genug zum Fortfahren. Ich bin jetzt gerade einmal heimgekommen von einer großen Reise. Aber es hat mich gefreut, dass ich an einem schönen Tag hinauf- und wieder gut hinuntergekommen bin und die Spiritualität dieses schönen Berges erleben durfte. Das ist nicht nur das Bergsteigerische, da ist mehr dahinter.