Kommentar zum Ärztetag: Langsam reicht es mit dem Gejammer

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so Ulrike Bieritz, RBB, ARD-Hauptstadtstudio

Wenn ich krank bin, dann gehe ich zum Arzt. Der soll mir helfen, ohne mir vorzujammern, wie kurz er vor der Verelendung steht und dass seine Kinder bald verhungern müssen. Ich will keine langen Vorträge über die Gesundheitsreform hören – ich möchte gesund werden.

Ich bin diese Agitation im Wartezimmer leid. Ich zahle meine Krankenversicherungsbeiträge und das ist nicht gerade wenig Geld. Dafür kann ich eine gute Behandlung erwarten – und bekomme sie in den meisten Fällen auch. Jammern gehört zum Geschäft – aber langsam reicht es. Die Ärzteverbände wollten die Honorarreform und wollen heute nichts mehr davon wissen. Ein typischer Fall von Amnesie.

Auch die Ärzte bekommen mehr Geld

Zugegebenermaßen ist der Gesundheitsfonds nicht der Weisheit letzter Schluss und so richtig gemocht wird er von keinem – aber irgendwie muss das System doch auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagieren: Wir werden immer älter und bekommen so natürlich unweigerlich auch mehr oder andere Krankheiten. Sicher ist das teuer und natürlich macht auch die Wirtschaftskrise vor dem Gesundheitswesen nicht halt. Darauf müssen sich Patienten, Kassen und Ärzte einstellen.

Aber es ist doch erst einmal so: Es fließen Milliarden Euro mehr ins System und auch die Ärzte bekommen mehr Geld – vor allem die in den neuen Bundesländern werden endlich gerechter entlohnt. Und die beschweren sich weniger und instrumentalisieren die Patienten auch nicht. Es gibt aber auch Verlierer: Ärzte, die weniger bekommen als früher. Aber das waren nicht die, die schon vorher zu jenen mit den geringsten Honorarbezügen gehörten.

Schreckgespenst „Priorisierung“

Das alte Punktesystem gefiel den Ärzten nicht, die festen Beiträge für die einzelnen Leistungen, so wie es jetzt ist auch nicht. Was wollen sie denn? Mehr Geld! Was die Patienten wollen, danach fragen sie nicht. Nein, sie malen das Schreckgespenst „Priorisierung“ an die Wand – mit anderen Worten Rationierung: Wer nicht ganz so krank ist, der soll länger warten.

Es ist ja heute schon so, dass Kassenpatienten mit nicht so akuten Beschwerden auf einen Termin beim Hautarzt oder Orthopäden ewig warten müssen und viele Dinge schon selbst zu bezahlen sind. Bevor aber rationiert wird, sollten teure Doppeluntersuchungen vermieden werden und überflüssige Behandlungen nicht mehr erfolgen. Das wirklich Nötige aber schon – und behandelt werden müssen ebenfalls alle Patienten.

Statt sich um ihr Geld zu sorgen, erwarte ich von den Ärzten und ihren Verbänden, dass sie sich ein paar mehr Sorgen um uns Patienten machen! Sie sollten sich Gedanken darüber machen, was man gegen den Ärztemangel auf dem Land und im Osten machen kann, ob es in den Großstädten wirklich so viele Mediziner geben muss und darüber, wie eine Aus- und Fortbildung so organisiert wird, dass die Ärzte für ihre Patienten wirklich auf dem neuesten Stand bleiben können.

Kontakt zum Autor: internet@ard-hauptstadtstudio.de

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