Die Deutschen fürchten eine Zwei-Klassen- Medizin

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Umfrage: Bürger erwarten steigende Kosten und sinkende Leistungen – Ministerium warnt vor Schwarzmalerei

Berlin – Die Deutschen sehen schwarz für die Zukunft ihrer Gesundheitsversorgu ng. Sie erwarten steigende Kosten bei sinkenden Leistungen. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger rechnen in den nächsten Jahren mit einer Zwei-Klassen- Medizin, bei der die Wohlhabenden gut versorgt werden, während die Kassen nur noch die Kosten für die medizinische Grundversorgung übernehmen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsi nstituts Allensbach unter 1800 Bürgern und rund 500 Ärzten. Sie wurde mit Unterstützung der Bundesärztekammer für den Finanzdienstleister MLP erstellt.

Ärztekammer-Prä sident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Gesundheitspolitik sei nachhaltig erschüttert. Die Menschen spürten, dass die finanziellen und personellen Ressourcen nicht mehr ausreichten, um das hohe Niveau der Versorgung aufrechtzuerhalten. Hoppe erklärte, es könne niemanden verwundern, wenn junge Ärzte nach Alternativen Ausschau halten und zum Beispiel im Ausland arbeiten. Ohne entsprechenden Nachwuchs könne die wohnortnahe Versorgung aber nicht mehr abgesichert werden. „Die Versorgungskrise, die heute schon in ländlich geprägten Gegenden spürbar ist, wird sich dann auf die ganze Republik ausdehnen“, warnte der Präsident der Bundesärztekammer. Er bekräftigte seine Forderung, Ärzte und Krankenhäuser in das geplante Konjunkturprogramm der Bundesregierung einzubeziehen. Ansonsten werde in den nächsten Jahren in der stationären Versorgung „eine Pleitewelle nach der anderen“ durch das Land rollen.

Wenig Vertrauen haben die Bürger auch in die Politiker: Lediglich 16 Prozent der Bürger und 15 Prozent der Ärzte glauben laut der Umfrage, dass es der Politik gelingt, auch längerfristig eine gute Gesundheitsversorgu ng sicherzustellen. Auch von dem Gesundheitsfonds, der zum 1. Januar 2009 starten soll, hielten die Befragten wenig. Die Mehrheit glaubt nicht, dass die Gesundheitsversorgu ng damit auf einem finanziell tragfähigen Fundament steht. 39 Prozent der Bürger fürchten, die Kassen werden mit Einführung des Gesundheitsfonds weniger Leistungen als bisher übernehmen. Allerdings weiß rund die Hälfte der Bundesbürger auch wenige Wochen vor Start des Gesundheitsfonds gar nicht, was sich dahinter verbirgt. Jeder vierte Befragte hat sogar von der Einführung noch nichts gehört. Je besser die Menschen informiert seien, desto skeptischer stünden sie der Neuregelung jedoch gegenüber, sagte Allensbach-Geschä ftsführerin Renate Köcher. 61 Prozent der Ärzte erwarten, dass der Kostendruck nach Einführung des Gesundheitsfonds im Januar weiter zunimmt. Schon heute beklagt etwa jeder zweite Arzt, dass er zu wenig Zeit für seine Patienten hat.

Der Sprecher des Bundesgesundheitsmi nisteriums, Klaus Vater, sprach von einer interessengeleitete n Studie und warnte vor Schwarzmalerei. Dass sich Hoppe dafür einspannen lasse, sei ein „merkwürdiger Vorgang“. Zugleich kritisierte er die „apokalyptischen Vorstellungen“ des Ärztepräsidenten. Führende Repräsentanten des Gesundheitswesens ließen keine Gelegenheit aus, um das System schlechtzureden. In Wahrheit bringe die Reform viele Verbesserungen. Deutschland werde überall in der Welt für seine Gesundheitsversorgu ng beneidet.

Zwar sind noch 59 Prozent der Bürger der Ansicht, dass der Stand der Gesundheitsversorgu ng in Deutschland gut sei. Zu Beginn der großen Koalition vor drei Jahren waren jedoch noch 67 Prozent dieser Meinung, 1994 vergaben sogar 82 Prozent der Deutschen die Note „Gut“. 60 Prozent der Menschen sind jetzt der Meinung, die medizinische Versorgung sei nicht mehr so gut wie früher. Von den Ärzten sehen 57 Prozent eine negative Entwicklung.

Unterdessen wurde bekannt, dass Gesundheitsminister in Ulla Schmidt (SPD) sich in einer Woche mit dem Aktionsbündnis „Rettung der Krankenhäuser“ trifft, um über Hilfen für die Kliniken zu beraten. CDU und SPD wollen klären, ob die geforderten 6,7 Milliarden Euro für die Kliniken berechtigt sind. Die Deutsche Krankenhausgesellsc haft begrüßte das Treffen. Neben der Ministerin nehmen auch die Spitzen der Koalitionsfraktione n teil. Zu dem Bündnis gehören Ärzteverbände, Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber.

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