noch ein verschwundener Zahnarzt

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 Kein Lebenszeichen seit sieben Jahren –
meldet der Oranienburger Generalanzeiger

Vor sieben Jahren verschwand der damals 51-jährige Berliner Zahnarzt Jochen Busch von der Bildfläche. Im Gutshaus von Luhme hatte er sich eine Praxis eingerichtet. Inzwischen gibt es Vermutungen, dass Busch Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte.
Klaus Meyer erinnert sich sehr gut an Busch. Er ist Handlungsbevollmächtigter der M & M GmbH in Verden und Miteigentümer des Gutshauses. Als er nach der Wende das damals noch in sehr schlechtem Zustand befindliche Schloss entdeckte, verliebte er sich sofort in das Anwesen: „Die Lage ist einfach einzigartig.“

Jochen Busch hatte sich seinerzeit als Wintermieter im Gutshaus einquartiert. Der wahre Hintergrund sei aber ein anderer gewesen: „Gegenüber betrieben Leute, die wie Busch aus Berlin kamen, eine Gaststätte.“ Bei dieser hat es sich laut Meyer nur zum Teil um ein normales Lokal gehandelt: „Die Chefs kamen aus Russland.“

Auf der einen Seite des Hotels mit Gaststätte habe der übliche Betrieb stattgefunden. Auf der anderen „war es deutlich teurer und die Bedienungen waren anders gekleidet“. Was Meyer umschreibt, war und ist Gesprächsthema im Ortsteil. Ob es neben der Bar mit leicht geschürztem Personal auch Bordellbetrieb im eigentlichen Sinne gab, ist nicht klar. Die damaligen Betreiber sind nach der Pleite des Unternehmens verzogen. Eine Bank hat mehrere Versteigerungsversuche für das Gebäude unternommen.

Busch, der sich zwar eine Praxis in Luhme eingerichtet hatte, dort aber nie jemand behandelt haben soll, hat nach Meyers Ansicht mit dem Betrieb des Hotels schräg gegenüber zu tun gehabt. Gegen den Mieter Busch gab es laut Meyer mehrere zivilrechtliche Verhandlungen vor dem Amtsgericht, die sämtlich durch die M & M gewonnen worden seien. Bei den ersten Verhandlungen sei Jochen Busch noch anwesend gewesen. Doch seit sieben Jahren gebe es kein Lebenszeichen mehr von ihm. Meyer: „Es leben in Luhme Menschen, die schon so manches Mal gesagt haben, dass der Herr Busch umgebracht worden sein könnte.“ Meyer erinnert an die Aufregung von damals: „Die Angst vor den russischen Hintermännern war so groß, dass sich nicht mal der Gerichtsvollzieher mehr hinein wagte.“ Die Staatsanwaltschaft habe wegen des möglichen illegalen Bordellbetriebs ermittelt.

Luhmes Ortsbürgermeisterin Antje Kreutzer war gestern telefonisch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der ehemalige Bürgermeister Wolfgang Duhm weiß vom Verschwinden des Zahnarztes: „Mir ist bekannt, dass er wegen großer Zahlungsschwierigkeiten plötzlich verschwand und nicht mehr auftauchte.“ In Luhme sei „das Bordell im Gutshaus und in der Gaststätte gegenüber Dorfgespräch gewesen“. Von russischen Hintermännern weiß Duhm indes nichts. Doch die Rheinsberger Ordnungsamtsleiterin Marion Kraeft habe die Gaststätte einmal spätabends besucht, um zu sehen, was an den Gerüchten über ein illegales Bordell dran ist. Von Marion Kraeft gab es gestern wegen wichtiger Gespräche keine Auskunft dazu. Aus ihrem Amt hieß es, es habe damals nur eine normale Kontrolle stattgefunden.

Oberstaatsanwalt Jürgen Schiermeyer bestätigte, „dass es 2002 Untersuchungen wegen Vorgängen am Rande der Legalität in Luhme gab. Diese standen im Zusammenhang mit dem möglichen illegalen Betreiben einer Nachtbar. Die Untersuchungen verliefen ergebnislos.“ Einen Zuammenhang mit Jochen Busch gebe es nicht. Dass der Arzt verschwunden ist, wusste Schiermeyer nicht.

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