Archive for 29. Februar 2008

Heidi Klums gut gemeinte Gehässigkeit – und der bohrende Beckmann

Februar 29, 2008
Zum Auftakt der dritten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ zeigte Heidi Klum öffentlichkeitswirksam Verantwortungsgefühl für ihre Mädchen. Ansonsten blieb bei der Casting-Show alles beim Alten – bis auf eine Kleinigkeit: Der Bruce heißt jetzt Rolf so die bohrende Welt.
Vor ein paar Tagen, am 18. Februar, war Heidi Klum wieder zu Gast in Reinhold Beckmanns Talkshow. Ob sie da noch einmal hingeht, wird sich zeigen, denn der Reinhold hat ganz schön gebohrt – und das kann die Heidi schon beim Zahnarzt nicht leiden.
Beckmann hat Klum einige unappetitliche Fragen gestellt und sich ausnahmsweise nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden gegeben. Es ging um Magersucht und die Frage, inwiefern Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ einem krankhaften Schlankheitswahn Vorschub leisten und wie die Gallionsfigur der Show mit ihrer Verantwortung umgeht. Klums Antworten waren Ausflüchte, ließen den Zuschauer und auch Beckmann unbefriedigt zurück. In der Sendung schien es, als habe Heidi Klum verlernt, wie man eine gute Figur macht.
Nach dem Auftakt zur dritten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ dürfen wir in dieser Angelegenheit Entwarnung geben, denn wir haben Lea (19) kennen gelernt, die selbst der Hungerhakenbeauftragten von ProSieben ein bisschen „klein“ vorkam – was eine für Klum-Verhältnisse ungeheuer taktvolle Umschreibung von „spindeldürr“ ist.
Die Jury forderte Lea auf, im Bikini vor sie zu treten. Lea verzichtete und weinte hinter den Kulissen. Heidi Klum ließ sich den großen Auftritt als Vertrauenslehrerin des Mädchens nicht nehmen und tröstete sie vor laufenden Kameras. Schließlich gab sie ihr noch einen guten Rat mit auf den Heimweg: „Du musst ein bisschen zunehmen.“
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„Germany’s Next Topmodel“ ist eine schreckliche Sendung, die zu allem Überfluss auch noch schrecklich erfolgreich ist. Das Allerschrecklichste daran ist allerdings, dass man allen ethischen Einwänden zum Trotz gerne zuguckt, wenn Klum und ihre Helfer kaum volljährige Mädchen zur besten Sendezeit rund machen und sie dazu bringen, sich für Demütigungen zu bedanken. Alles geschehe nur zu ihrem Besten, wird ihnen fortwährend eingetrichtert. Dabei dienen die erlittenen Schikanen vor allem einer: Heidi Klum (und natürlich auch uns Fernsehzuschauern).

Es hat sich also kaum etwas geändert in der dritten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ – bis auf eine Kleinigkeit: Der Bruce heißt jetzt Rolf. Deutsch spricht auch er nicht akzentfrei. Kein Wunder: „Der erfolgreiche Casting-Director“ (ProSieben-Website) lebt seit mehr als 30 Jahren in Paris – und das ‚ört man ‚alt un petit peu. Komplettiert wird die Jury mal wieder von Peyman Amin, „erfahrener Agent der weltgrößten Agentur IMG“ und ein cooler Hund – wenn auch ein ziemlich kleiner.
So viel Gehässigkeit muss erlaubt sein bei der Bewertung einer Sendung, die ihre Protagonisten systematisch vorführt und bloßstellt und das alles mit der vagen Chance auf eine Modelkarriere legitimiert. Dass 18-Jährige vom Jetsetleben träumen, kann man ihnen nicht vorwerfen; dass Erwachsene mit diesen Sehnsüchten ihr Jetsetleben finanzieren, kann man schon eher gegen sie verwenden – auch wenn diese Einnahmequelle im von Castingshows überschwemmten deutschen Fernsehen mittlerweile beinahe salonfähig ist.
In der ersten Folge der neuen Staffel wurden von den ursprünglich angeblich 18.000 Bewerberinnen 120 zum Casting nach Köln eingeladen, wo 70 Mädchen aussortiert wurden.

Die letzten 50 flogen am nächsten Morgen nach Barcelona, wo sie auf einer Modenschau des Designers Philipp Plein laufen sollten, ohne das Hüftwackeln auch nur eine Sekunde trainiert zu haben (und wir erinnern uns alle, welchen Raum das Catwalk-Training bei Bruce in den ersten beiden Staffeln eingenommen hat). „Wir haben euch ins kalte Wasser geschmissen, ins sehr kalte“, sagte Heidi Klum nach der Modenschau in einem Ton, der Dankbarkeit einforderte.
Dabei hatte sie den 50 Mädchen gerade keinen Gefallen getan, eher das Gegenteil. Es war ein erbärmlicher Anblick, den Möchtegern-Topmodels beim Staksen und Stolpern vor Publikum zuzusehen. „Ich habe auf diesem Laufsteg Sachen gesehen, die habe ich lange nicht gesehen“, spottete Heidi Klum hinterher. Es geht immer noch erbärmlicher.

SchülerVZ: big brother ist watsching mit

Februar 29, 2008

Die armen Lehrer von heute können einem doch richtig leid tun. Zum einen haben sie es nur noch mit faulen und verzogenen Gören zu tun und dann auch noch das Internet. Vor lauter Nachspionieren kommt man kaum zum korrigieren und zum den Unterricht vorbereiten. Und der Schüler/StudiVZ-Chef Marcus Riecke meldet sog. „Kifferbilder“ direkt an die Polizeit

Darüber und bei folgendem Spiegelartikel kann man nur noch den Kopf schütteln:

LEHRERBELEIDIGUNG IM SCHÜLERVZ

14-Jährige fliegt von der Schule

Zwei Siebtklässlerinnen aus Bad Kissingen lästerten im Internet über ihre Lehrer. Die Pädagogen bekamen Wind von der Sache und erstatteten Anzeige. Die Schülerinnen entschuldigten sich – doch eine musste die Schule nach dem Vorfall trotzdem verlassen.

Sie sitzen mehrmals täglich am Computer, klicken sich durch You-Tube-Videos, SchülerVZ-Profile und Myspace-Seiten. Doch obwohl sie mit dem Internet aufwachsen, scheinen viele Jugendliche nicht zu ahnen, dass Dinge, die sie dort veröffentlichen, auf der ganzen Welt nachzulesen sind (mehr…)

Nur so lässt sich erklären, dass sich in den vergangenen Monaten Fälle häufen, in denen Schüler im Netz über ihre Lehrer lästern und glauben, dass die Betroffenen von den bösen Sprüchen nie erfahren werden (mehr…). Das jüngste Beispiel: Zwei 14-jährige Mädchen aus Bad Kissingen meckerten auf einer SchülerVZ-Profilseite über ihre Lehrer. Die eine saß in Sylt am Rechner, die andere in Petersburg. Via Internet hielten die beiden miteinander Kontakt, beleidigten eine Lehrerin und einen Lehrer, berichtet die Zeitung „Mainpost“.

Die beiden Realschülerinnen verhielten sich so, als tuschelten sie miteinander auf dem Schulhof. Doch die Beleidigungen konnten von jedem nachgelesen werden, der ein SchülerVZ-Profil besitzt. Von wem sie stammten – auch das war nachzuverfolgen. Die Schülerinnen hatten ihre Namen weder abgekürzt noch verändert.

Als die betroffenen Lehrer Mitte Oktober 2007 von den Beleidigungen hörten, erstatteten sie Anzeige, berichtet die „Mainpost“. Anfang Dezember wurden die beiden Schülerinnen dann in einer Schulstunde per Lautsprecher ins Sekretariat gerufen – und von Polizeibeamten im Streifenwagen nach Hause gefahren.

Die Siebtklässlerinnen entschuldigten sich schließlich bei den Lehrern. Die eine wurde dazu verdonnert, Nachhilfestunden zu geben. Bei der anderen beschloss der Disziplinarausschuss, ein Verfahren zur Entlassung von der Schule einzuleiten. Ihre Entschuldigung sei „oberflächlich“ gewesen. Sie lasse „echte Einsicht und Reue vermissen“. Der 14-Jährigen werde „schweres Fehlverhalten“ vorgeworfen. Sie missachte die Rechte anderer und belaste die „vertrauensvolle, unbeschwerte Atmosphäre in der Schule“, störe deren Bildungs- und Erziehungsauftrag, heißt es in einem Schreiben an ihre Eltern.

Die beiden betroffenen Lehrer haben ihre Anzeige später zurückgezogen. Trotzdem blieb es dabei: Die eine Schülerin musste nach dem Vorfall die Schule wechseln. Ihr Vater wehrt sich dagegen, dass die beiden Schülerinnen so ungleich behandelt wurden. Er kritisierte die Unverhältnismäßigkeit der Entscheidung und legte Widerspruch ein. Parallel dazu reichte er beim Ministerialbeauftragten eine Petition ein, berichtet die Zeitung. Das Verfahren läuft noch.