Archive for Februar 2008

Heidi Klums gut gemeinte Gehässigkeit – und der bohrende Beckmann

Februar 29, 2008
Zum Auftakt der dritten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ zeigte Heidi Klum öffentlichkeitswirksam Verantwortungsgefühl für ihre Mädchen. Ansonsten blieb bei der Casting-Show alles beim Alten – bis auf eine Kleinigkeit: Der Bruce heißt jetzt Rolf so die bohrende Welt.
Vor ein paar Tagen, am 18. Februar, war Heidi Klum wieder zu Gast in Reinhold Beckmanns Talkshow. Ob sie da noch einmal hingeht, wird sich zeigen, denn der Reinhold hat ganz schön gebohrt – und das kann die Heidi schon beim Zahnarzt nicht leiden.
Beckmann hat Klum einige unappetitliche Fragen gestellt und sich ausnahmsweise nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden gegeben. Es ging um Magersucht und die Frage, inwiefern Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ einem krankhaften Schlankheitswahn Vorschub leisten und wie die Gallionsfigur der Show mit ihrer Verantwortung umgeht. Klums Antworten waren Ausflüchte, ließen den Zuschauer und auch Beckmann unbefriedigt zurück. In der Sendung schien es, als habe Heidi Klum verlernt, wie man eine gute Figur macht.
Nach dem Auftakt zur dritten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ dürfen wir in dieser Angelegenheit Entwarnung geben, denn wir haben Lea (19) kennen gelernt, die selbst der Hungerhakenbeauftragten von ProSieben ein bisschen „klein“ vorkam – was eine für Klum-Verhältnisse ungeheuer taktvolle Umschreibung von „spindeldürr“ ist.
Die Jury forderte Lea auf, im Bikini vor sie zu treten. Lea verzichtete und weinte hinter den Kulissen. Heidi Klum ließ sich den großen Auftritt als Vertrauenslehrerin des Mädchens nicht nehmen und tröstete sie vor laufenden Kameras. Schließlich gab sie ihr noch einen guten Rat mit auf den Heimweg: „Du musst ein bisschen zunehmen.“
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„Germany’s Next Topmodel“ ist eine schreckliche Sendung, die zu allem Überfluss auch noch schrecklich erfolgreich ist. Das Allerschrecklichste daran ist allerdings, dass man allen ethischen Einwänden zum Trotz gerne zuguckt, wenn Klum und ihre Helfer kaum volljährige Mädchen zur besten Sendezeit rund machen und sie dazu bringen, sich für Demütigungen zu bedanken. Alles geschehe nur zu ihrem Besten, wird ihnen fortwährend eingetrichtert. Dabei dienen die erlittenen Schikanen vor allem einer: Heidi Klum (und natürlich auch uns Fernsehzuschauern).

Es hat sich also kaum etwas geändert in der dritten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ – bis auf eine Kleinigkeit: Der Bruce heißt jetzt Rolf. Deutsch spricht auch er nicht akzentfrei. Kein Wunder: „Der erfolgreiche Casting-Director“ (ProSieben-Website) lebt seit mehr als 30 Jahren in Paris – und das ‚ört man ‚alt un petit peu. Komplettiert wird die Jury mal wieder von Peyman Amin, „erfahrener Agent der weltgrößten Agentur IMG“ und ein cooler Hund – wenn auch ein ziemlich kleiner.
So viel Gehässigkeit muss erlaubt sein bei der Bewertung einer Sendung, die ihre Protagonisten systematisch vorführt und bloßstellt und das alles mit der vagen Chance auf eine Modelkarriere legitimiert. Dass 18-Jährige vom Jetsetleben träumen, kann man ihnen nicht vorwerfen; dass Erwachsene mit diesen Sehnsüchten ihr Jetsetleben finanzieren, kann man schon eher gegen sie verwenden – auch wenn diese Einnahmequelle im von Castingshows überschwemmten deutschen Fernsehen mittlerweile beinahe salonfähig ist.
In der ersten Folge der neuen Staffel wurden von den ursprünglich angeblich 18.000 Bewerberinnen 120 zum Casting nach Köln eingeladen, wo 70 Mädchen aussortiert wurden.

Die letzten 50 flogen am nächsten Morgen nach Barcelona, wo sie auf einer Modenschau des Designers Philipp Plein laufen sollten, ohne das Hüftwackeln auch nur eine Sekunde trainiert zu haben (und wir erinnern uns alle, welchen Raum das Catwalk-Training bei Bruce in den ersten beiden Staffeln eingenommen hat). „Wir haben euch ins kalte Wasser geschmissen, ins sehr kalte“, sagte Heidi Klum nach der Modenschau in einem Ton, der Dankbarkeit einforderte.
Dabei hatte sie den 50 Mädchen gerade keinen Gefallen getan, eher das Gegenteil. Es war ein erbärmlicher Anblick, den Möchtegern-Topmodels beim Staksen und Stolpern vor Publikum zuzusehen. „Ich habe auf diesem Laufsteg Sachen gesehen, die habe ich lange nicht gesehen“, spottete Heidi Klum hinterher. Es geht immer noch erbärmlicher.

SchülerVZ: big brother ist watsching mit

Februar 29, 2008

Die armen Lehrer von heute können einem doch richtig leid tun. Zum einen haben sie es nur noch mit faulen und verzogenen Gören zu tun und dann auch noch das Internet. Vor lauter Nachspionieren kommt man kaum zum korrigieren und zum den Unterricht vorbereiten. Und der Schüler/StudiVZ-Chef Marcus Riecke meldet sog. „Kifferbilder“ direkt an die Polizeit

Darüber und bei folgendem Spiegelartikel kann man nur noch den Kopf schütteln:

LEHRERBELEIDIGUNG IM SCHÜLERVZ

14-Jährige fliegt von der Schule

Zwei Siebtklässlerinnen aus Bad Kissingen lästerten im Internet über ihre Lehrer. Die Pädagogen bekamen Wind von der Sache und erstatteten Anzeige. Die Schülerinnen entschuldigten sich – doch eine musste die Schule nach dem Vorfall trotzdem verlassen.

Sie sitzen mehrmals täglich am Computer, klicken sich durch You-Tube-Videos, SchülerVZ-Profile und Myspace-Seiten. Doch obwohl sie mit dem Internet aufwachsen, scheinen viele Jugendliche nicht zu ahnen, dass Dinge, die sie dort veröffentlichen, auf der ganzen Welt nachzulesen sind (mehr…)

Nur so lässt sich erklären, dass sich in den vergangenen Monaten Fälle häufen, in denen Schüler im Netz über ihre Lehrer lästern und glauben, dass die Betroffenen von den bösen Sprüchen nie erfahren werden (mehr…). Das jüngste Beispiel: Zwei 14-jährige Mädchen aus Bad Kissingen meckerten auf einer SchülerVZ-Profilseite über ihre Lehrer. Die eine saß in Sylt am Rechner, die andere in Petersburg. Via Internet hielten die beiden miteinander Kontakt, beleidigten eine Lehrerin und einen Lehrer, berichtet die Zeitung „Mainpost“.

Die beiden Realschülerinnen verhielten sich so, als tuschelten sie miteinander auf dem Schulhof. Doch die Beleidigungen konnten von jedem nachgelesen werden, der ein SchülerVZ-Profil besitzt. Von wem sie stammten – auch das war nachzuverfolgen. Die Schülerinnen hatten ihre Namen weder abgekürzt noch verändert.

Als die betroffenen Lehrer Mitte Oktober 2007 von den Beleidigungen hörten, erstatteten sie Anzeige, berichtet die „Mainpost“. Anfang Dezember wurden die beiden Schülerinnen dann in einer Schulstunde per Lautsprecher ins Sekretariat gerufen – und von Polizeibeamten im Streifenwagen nach Hause gefahren.

Die Siebtklässlerinnen entschuldigten sich schließlich bei den Lehrern. Die eine wurde dazu verdonnert, Nachhilfestunden zu geben. Bei der anderen beschloss der Disziplinarausschuss, ein Verfahren zur Entlassung von der Schule einzuleiten. Ihre Entschuldigung sei „oberflächlich“ gewesen. Sie lasse „echte Einsicht und Reue vermissen“. Der 14-Jährigen werde „schweres Fehlverhalten“ vorgeworfen. Sie missachte die Rechte anderer und belaste die „vertrauensvolle, unbeschwerte Atmosphäre in der Schule“, störe deren Bildungs- und Erziehungsauftrag, heißt es in einem Schreiben an ihre Eltern.

Die beiden betroffenen Lehrer haben ihre Anzeige später zurückgezogen. Trotzdem blieb es dabei: Die eine Schülerin musste nach dem Vorfall die Schule wechseln. Ihr Vater wehrt sich dagegen, dass die beiden Schülerinnen so ungleich behandelt wurden. Er kritisierte die Unverhältnismäßigkeit der Entscheidung und legte Widerspruch ein. Parallel dazu reichte er beim Ministerialbeauftragten eine Petition ein, berichtet die Zeitung. Das Verfahren läuft noch.

 

Bleirückstände in chinesischem Zahnersatz?

Februar 28, 2008

in Deutschland war bislang noch nichts entdeckt worden, doch aus den USA schwappen die ersten

Documented Cases of Lead Contamination in Off Shore Dental Laboratory Restorations

Recently, NADL was contacted by a dental patient in Ohio who has documentation of lead contamination in her dental restoration. The affected patient, a senior citizen, received a three-unit dental bridge from a dentist in Ohio. After having an adverse reaction to her dental work, and having it removed, the dentist disclosed that the prescription was sent to an offshore dental laboratory and disclosed to the patient that the restoration was made in China. The patient then had the restoration sent to a chemical laboratory for analysis. The documentation of the dental material analysis of this patient’s restoration showed unsafe levels of lead in the porcelain on the restoration.  This case has attracted the attention of an Ohio television reporter who was already working on a story about offshore dental laboratory work. As part of the reporter’s investigative research for the story, the TV station ordered a series of crowns from several offshore dental laboratories. One of those restorations contained 210 parts per million of lead in the materials. The U.S. Congress, in response to the toy recalls in 2007, lowered the acceptable levels of lead in toys to 90 parts per million.

der böse Zahnarzt und die Montagsdemo

Februar 27, 2008

Es gibt sie immer noch, die Montagsdemo in Wismar. Zwei Männer kämpfen dort gegen die Ungerechtigkeit in Deutschland. Mutterseelenallein – sagt zumindest Nordclick.

Es gibt keine Ruhe im Kopf von Peter Hauck, nicht solange er sein Ziel nicht erreicht hat. Das Ziel ist groß, es ist so groß, dass es unwahrscheinlich scheint, dass er es jemals erreicht. Vor allem: Es ist nicht nur eins. Aber Peter Hauck ist mit seinen 63 Jahren längst nicht soweit, dass er sich in seiner kleinen Wohnung an der Wismarer Kapitänspromenade auf sein Sofa setzt und Ruhe gibt. Schließlich gibt es noch viel zu tun. Und 345 Euro im Monat sind ein guter Grund, auf die Barrikaden zu gehen. Jeden Montag tut er das auf dem Wismarer Marktplatz. Zusammen mit André Czeyka aus Klütz steht er um 16 Uhr dort und hält ein Transparent hoch. Manchmal bleiben Leute stehen, meistens sind die Männer allein. Ein Megaphon dürfen sie nicht benutzen. Erst ab 50 Leuten, sagt das Ordnungsamt, sei dies gestattet.

2004 gab es die erste Montagsdemo in der Hansestadt, bis zu 300 Leute gingen damals auf die Straße, um gegen die Gesundheitsreform zu protestieren. Hauck gehörte zum Org-Komitee. Von Woche zu Woche schwand die Zahl der Demonstranten, seit einigen Monaten besteht der Aufmarsch nur noch aus Hauck und seinem Kollegen. „Wenn der mal krank ist, dann hole ich mir Ersatz.“

Peter Hauck als Wendeopfer darzustellen, wäre zu einfach. Denn der gelernte Schlosser, der nach dem Mauerfall noch etliche Umschulungen im kaufmännischen Bereich mit anschließender ABM hinter sich gebracht hat, hat eines begriffen: „Ich kämpfe um mein Recht solange, bis ich es bekomme.“ Und wie er das tut.

„Ich bin vergiftet worden“, sagt der hagere Mann. Hauck sitzt in einem Wismarer Café und rudert mit den Armen in der Luft. Es ist Freitag, in drei Tagen geht er wieder auf die Straße. „Gegen Sozialabbau“ steht auf dem Tuch, dass sie dann hochhalten. Das mit der Gesundheitsreform ist Jahre her. Hauck geht mit der Zeit. „Aber das mache ich nur nebenbei“, betont er. Denn der 63-Jährige hat noch ein anderes Problem. Das mit dem Gift nämlich. „Wissen Sie überhaupt, wie giftig Amalgamfüllungen sind?“ Sein Zahnarzt sei Schuld daran, dass er vor ein paar Jahren „fast verreckt“ ist. „Die denken doch nur an ihren Profit und vergiften die Menschen.“

Es ist bisweilen schwierig, seinen Argumenten zu folgen. Er redet sehr schnell, und man weiß nicht so genau, ob man seinen Worten folgen soll oder den Händen, die wild gestikulieren. Es geht um die Gesundheit der Bevölkerung, um Hartz IV, das Wesen des Kapitalismus, die Weltwirtschaft und irgendwo dazwischen immer wieder um seine eigene Geschichte. Er hat seinen Zahnarzt verklagt, er hat an die Bundesregierung geschrieben, an das Justizministerium in Berlin, an die Landesregierung, an die Bürgerschaft und die Presse. Und er versteht nicht, warum niemand auf ihn hören will. Er zeigt Briefe, in denen Ministeriumsmitarbeiter ihm bestätigen, dass seine Schreiben eingegangen sind. Meistens hat er sich vorher beschwert, dass er keine Antwort erhalten hat. „Das ist doch ein Erfolg, oder?!“

Hauck war im vergangenen Jahr in Rostock und Heiligendamm bei den Demonstrationen zum G 8. „Ich bin im schwarzen Block mitmarschiert.“ Er reckt den Kopf stolz nach oben. Er war 62, als er inmitten der vermummten Jugendlichen stand. Er muss ausgesehen haben, als habe er seine Kinder gesucht. Doch die sind weit weg. „Im Westen, weil es hier keine Arbeit gab.“ Noch ein Grund, auf die Straße zu gehen.

Von 1994 bis 1999 gehörte er zu den Grünen in Wismar. „Dann haben die den Kosovo-Einsatz mitbeschlossen, da bin ich ausgetreten.“ Denn Krieg, egal wo auf der Welt, sei immer ein Krieg gegen die eigene Bevölkerung. „Weil die Milliarden, die dort verschleudert werden, hier bei uns fehlen.“ Der Krieg ist auch ein Thema, bei dem Peter Hauck sich auskennt. „Sie wissen doch, dass der Krieg in Afghanistan beschlossen war, bevor die Amerikaner dort einmarschiert sind.“

Er könnte Rente beantragen mit seinen 63 Jahren. Aber wegen der Abzüge macht er das nicht. Außerdem geht es ums Prinzip. Und dann ist da noch die Sache mit dem Amalgam. Schadenersatz und Schmerzensgeld sind Worte, die er oft benutzt. Er glaubt daran, dass er gewinnen kann. Gegen seinen Zahnarzt, gegen die Bundesregierung, die das Gift in seinem Mund zugelassen hat, gegen die Grünen, die ihre Prinzipien verraten haben und das Bundesjustizministerium. „Es wird einen Justizskandal geben, bald, Sie werden sehen.“ Peter Hauck wird der Auslöser sein, Wismar ist nur der Anfang.

Ärztemangel in Afrika – Abwerbung erschwert Versorgung

Februar 25, 2008

Afrika hat bei weitem zu wenig Ärzte, und die werden nach Medizinerauskunft auch noch von reichen Ländern aktiv abgeworben. „Afrika trägt 25 Prozent der weltweiten Krankheitslast und hat derzeit nur drei Prozent des weltweiten medizinischen Personals und ein Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft“, schreibt das britische Medizinjournal „The Lancet“ (Bd. 371) in einem Leitartikel.

In seiner Ausgabe vom 23. Februar beleuchtet das Journal in mehreren Beiträgen die Lage der Gesundheitssysteme in Afrika.

So habe etwa Ghana durch das Abwandern von Fachpersonal von 1998 bis 2002 schätzungsweise 35 Millionen britische Pfund (46,5 Millionen Euro) an Investitionen in die medizinische Ausbildung verloren, schreibt Edward Mills von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver (S. 685).

Umgekehrt habe Großbritannien in dem untersuchten Zeitraum 65 Millionen Pfund Ausbildungskosten durch Zuwanderung ausgebildeter Mediziner gespart.

Derzeit würden etwa 13.000 in Schwarzafrika ausgebildeten Mediziner in Großbritannien, Australien, Kanada und den USA arbeiten. Auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate werben laut Mills aktiv Ärzte ab.

Ein weiterer Grund für das Abwandern der afrikanischen Mediziner sei jedoch die schlechte und oft verzögerte Bezahlung, schreibt David McCoy vom University College London (S. 675). So seien die Gehälter insbesondere von 1989 bis 1996 deutlich gesunken. Während Großbritannien 2,3 Ärzte pro 1.000 Einwohner hat, seien es in Äthiopien und Madagaskar 0,03, in Tansania sogar nur 0,02, erläutert Mills. (aus ZM)

das Zahniforum

Februar 24, 2008

Interessant ist, wie junge Zahnärzte dabei sind, ein kostenloses Infoforum im Net aufzubauen.

Ohne irgendwelche Einflüsse von Versicherungen, Finanzdienstleister und Verbände wird hier nach und nach jede Menge information von und für junge Zahnärzte zusammengetragen – und jeder kann mitmachen!

weiter gehts im
Zahniforum

Huge Boobs Dentist Cleavage prank part 2

Februar 23, 2008

fast schon ein – na ja für die Freunde von Big Boob

Klassiker:

Huge Boobs Dentist Cleavage prank part 1

Februar 23, 2008

 auch was…..

Generation Doof oder: „Einfach mal in die Kamera furzen“

Februar 22, 2008

Deutschland verblödet, behaupten Stefan Bonner und Anne Weiss. Die Autoren des Buches „Generation Doof“ sind Kerners Gäste im ZDF – auf SPIEGEL ONLINE erklären sie, warum eine Gesellschaft nervt, die Beethoven längst vergessen hat und dafür jeden Klingelton kennt.

SPIEGEL ONLINE: Im Fazit Ihres Buches fordern Sie, dass man die Dummen an die Hand nehmen soll, statt sich über sie lustig zu machen. Wann haben Sie das letzte Mal einen Dummen an die Hand genommen?

Stefan Bonner: Ich muss gestehen, dass wir beide uns gegenseitig immer wieder an die Hand nehmen müssen. Neulich haben wir gegrübelt, wo Bad Pyrmont liegt. Ich vermutete es in Brandenburg, Anne tippte auf Österreich. Wir haben dann festgestellt, dass es in Niedersachsen liegt.

SPIEGEL ONLINE: Sie halten sich selbst für Mitglieder der „Generation Doof“. Wie haben Sie es dann geschafft, an Lektorenjobs in einem großen deutschen Publikumsverlag zu kommen?

Anne Weiss: Wir sagen ja nicht, dass Dummheit immer schlimm ist. Jeder hat mal einen Ausfall. Aber man braucht auf jeden Fall ein bisschen Talent, seine gelegentliche Dummheit gut zu kaschieren. Außerdem ist es gut, die Recherchemöglichkeiten zu kennen, also zu wissen, wo man eine fehlende Information schnell findet.

Bonner: Dann ist noch eine gewisse Kritik- und Lernfähigkeit nötig. Denn die Mitglieder der „Generation Doof“ haben sich alle durch dasselbe suboptimale Lebens- und Schulsystem gekämpft und wurden auf das richtige Leben nicht ausreichend vorbereitet. Auch wir beide haben viele Federn lassen müssen, viel gelernt und viele Hürden genommen.

Weiss: Zudem sollte man eine gute Realitätseinschätzung haben und wissen, dass man gewisse Dinge einfach nicht kann. Das ist menschlich und völlig normal. Alles andere als normal ist es jedoch, wenn jemand Megastar werden will, der offensichtlich unfähig ist. Wer das nicht selbst merkt, gehört zur „Generation Doof“. Die anderen entscheiden sich am Ende doch gegen eine Superstarkarriere und machen die Banklehre.

SPIEGEL ONLINE: „Generation…“ ist ein inzwischen inflationär gebrauchtes Etikett. Was hält die „Generation Doof“ im Kern zusammen?

Bonner: Sie besteht aus den Generationen Video, Praktikum (mehr…), Golf und wie sie alle heißen. Wir glauben, ein Problem erkannt zu haben, das all diese Gruppen betrifft und sie prägt. Zur „Generation Doof“ gehören die Kinder, die einen Baum nicht mehr vom anderen unterscheiden können. Oder Leute, die mit einem geradezu unheimlichen Unwissen ins Fernsehen gehen und sich da als Experten hinstellen. Zeitgenossen, die einfach mal in eine Videokamera furzen und das ins Internet stellen, weil’s vermeintlich lustig ist.

SPIEGEL ONLINE: Es gab die Pisa-Schocktherapie, es gibt das ewige Feuilletonisten-Wehklagen über den Verfall des Abendlandes, das tägliche Bohlen-Bashing. Warum müssen auch Sie noch dem Land der Dichter und Denker auf 335 Seiten den Kopf waschen?

Weiss: Natürlich ist Dummheit nichts Neues. Schon in der Antike wurde reichlich Blödsinn angestellt. Prägend für die „Generation Doof“ ist aber, dass sie ihre Dummheit lustig und toll findet. Man ist stolz darauf, und dieses Problem wird in die Zukunft reichen. Dazu gehören die Jugendlichen, die Dieter Bohlen als Vorbild haben, aber auch Eltern, die ihre Kinder vor dem Fernseher parken.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch bemühen Sie Beispiele wie die frischgebackene Schönheitskönigin, die ihre Heimat auf der Landkarte nicht einzeichnen kann. Ist das wirklich typisch für eine ganze Generation – und nicht nur ein Klischee?

Bonner: Wir haben das in unserem Freundeskreis immer wieder ausprobiert. Jeder konnte auf Anhieb eine Handvoll Beispiele für Mitglieder der „Generation Doof“ nennen. Und wir haben festgestellt, dass dieses Phänomen keine intellektuelle Schicht verschont – auch der Rechtsanwalt parkt sein Kind vor der Playstation. Auch wohlhabende Mütter sind überfordert.

SPIEGEL ONLINE: Welche generationstypischen Dummheiten nerven Sie persönlich am meisten?

Weiss: Es tut zum Beispiel schon verdammt weh, was mit der deutschen Sprache angestellt wird. Früher konnten wir Hölderlin zitieren, heute können wir irgendwelche grässlichen Musiktitel nachsingen. Man erkennt den Klingelton der Telekom, aber längst nicht mehr Beethovens Fünfte.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich jetzt zwei Jahre mit der „Generation Doof“ befasst. Beschleicht Sie Panik, wenn Sie an die Zukunft denken? Müssen wir uns auf eine nahende „Generation Superdoof“ einstellen?

Bonner: Es kann tatsächlich passieren, dass die nächste Generation noch dümmer wird. Wir hoffen jedoch auf eine Pendelbewegung, wie es sie in der Geschichte immer wieder gab. Bei uns war es oft so, dass wir von unseren Eltern überfrachtet wurden und blockiert haben. Ich könnte mir vorstellen, dass die Kinder der „Generation Doof“ das Wissen wieder als coole Sache entdecken und sich das holen, was ihre Eltern ihnen verwehrt haben.

Das Interview führte Sebastian Wieschowski

 

Prozessführung über die Medien?

Februar 19, 2008

und so berichten lawblog und rechtblog über den inszenierten Steuerskandal:

Der Chef der Staatsanwaltschaft Koblenz scheint leicht genervt. Bei ihm rufen viele Journalisten an. Sie wollen wissen, gegen wen wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird. Wahrscheinlich wird bei der Gelegenheit auch nach einem Terminkalender für Durchsuchungen bei Prominenten gefragt.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Dr. Horst Hund darf und will keine Auskunft geben. Warum, erklärt er in einer Pressemitteilung:

… Vorsorglich weise ich darauf hin, dass die vorherige oder „zeitnahe“ Unterrichtung der Medien über den Eingang entsprechender Ermittlungsverfahren oder über Ermittlungsmaßnahmen wie Durchsuchungen oder Festnahmen die sachgemäße Durchführung eines schwebenden Strafverfahrens offensichtlich gefährdet, weil die Beschuldigten gewarnt werden und die Gelegenheit zur Beseitigung von Beweismitteln bekommen.

Zudem setzen sich die Strafverfolgungsbehörden in solchen Situationen nicht zu Unrecht dem Vorwurf der Verletzung der Unschuldsvermutung, der „Vorverurteilung“ sowie der „Prozessführung über die Medien“ aus. Entsprechende Auskünfte werde ich daher nicht erteilen und bitte, von solchen Anfragen abzusehen. Die Medien werde ich ggf. nach erfolgreicher Durchführung der Ermittlungen im Rahmen der durch das Steuergeheimnis gezogenen Grenzen über den Newsmailer der Justiz informieren.

An sich eine Selbstverständlichkeit. Aber darauf verlassen darf man sich auf dieses Ethos längt nicht mehr. Die “Behandlung” des ehemaligen Postchefs war zwar krass, aber kein Einzelfall.

Richtig ist natürlich, dass Beschuldigte und ihre Verteidiger die Presse mitunter auch instrumentalisieren. Es gibt nur einen kleinen Unterschied. Die dürfen das.