BZÄK-Präsident Dr. Dr. Jürgen Weitkamp: „Generalist“ bedeutet nicht „kann alles, aber nichts richtig“

By YODA

„Das Zahnheilkundegesetz legt“, so der Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, in einem DZW-Interview fest, dass der approbierte Zahnarzt die Zahnheilkunde ausübt, und Einschränkungen sind nicht vorgesehen“. Aber „Generalist bedeutet eben nicht, ‚kann alles, aber nichts richtig‘, sondern vielmehr die Freiheit, aus dem gesamten Spektrum der Zahnmedizin in eigener Verantwortung Schwerpunkte zu bilden“, so Weitkamp. Weitkamp, der Ende Oktober 2008 nach acht Jahren satzungsgemäß – man kann nur zwei Legislaturperioden BZÄK-Präsident sein – aus dem Amt scheidet, hatte sich in jungen Jahren als Arzt und Zahnarzt und über Studienaufenthalte in den USA alle Voraussetzungen für eine Spezialisierung geschaffen. Sein Bekenntnis aber: „Meinen wunderschönen Beruf übe ich jetzt seit über 40 Jahren aus und war und bin noch immer überzeugter Allgemeinzahnarzt, Hauszahnarzt wie auch Familienzahnarzt.Alle diese Begriffe beschreiben, was letztlich für diesen Beruf so prägend ist, nämlich den Zahnarzt als Generalisten. Er ist es, der die Versorgung der Bevölkerung zu über 90 Prozent abdeckt. Daran werden auch Spezialisten und Spezialisierungen jeglicher Couleur nichts ändern, denn der Versorgungsalltag gibt das Verhältnis vor. Jeder ist notwendig, jeder hat seinen Platz.“

Mit der Verbreitung und ständigen Wiederholung von Halbwahrheiten durch Verbände, die sich zum Sprachrohr des Allgemeinzahnarztes aufgeschwungen haben, ohne eine echte Vertretungskompetenz mangels Mitgliedschaft zu besitzen, so Weitkamp, könne der Prozess der Weiterentwicklung des Berufsstands mit „Generalisten“ und weitergebildeten Zahnärzten, Master of Science und Fachzahnärzten, nicht gestoppt werden.

Jungen Zahnärzten empfiehlt der über 40 Jahre erfahrene Arzt als „Generalist und Familienzahnarzt“, „die berufliche Tätigkeit an der Versorgungswirklichkeit zu orientieren. Und die verlangt generell nach Engagement in einer Praxis mit breitem, wenn nicht vollständigem Spektrum der Zahnheilkunde, gepaart mit einem bis drei Schwerpunkten in Bereichen, in denen besonderes Wissen und Können erworben wurde – mit oder ohne ausweisbare Qualifikation. Der Versorgungsalltag erfordert aber auch den Fachzahnarzt“.

Weitkamp betont, dass die BZÄK zur „Kooperationsvereinbarung“ mit der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und der Vereinigung der Hochschullehrer aus dem Herbst 2007 stehe und dass man dabei sei, „die Vereinbarung mit Leben zu erfüllen“.

Zur Frage, ob die Privaten Krankenversicherungen (PKVen) mit „Spezialistengruppen“ auch „Spezialtarife“ abschließen werden, befürchtet Weitkamp, dass die PKV-Unternehmen die künftig eröffnete Möglichkeit zu Einzelverträgen aus der GOZ-Öffnungsklausel heraus nutzen werden, diese „offensiv zur Mengen- und Preissteigerung zu nutzen“. „Wir haben die Aufgabe, die Zahnärzte so stark zu machen, dass sie dann eigene Modelle (Verkaufsmodelle) entgegensetzen können.“

Zur Feststellung einzelner vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beauftragter Institute und des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), dass für ganze Leistungsbereiche der Zahnmedizin keine evaluierten Therapieempfehlungen vorliegen, so in der Kieferorthopädie, Prothetik, aber auch in der Parodontologie, und der sich daraus möglicherweise ergebenden Gefahr, dass Teile der Behandlung aus der Kostenerstattung herausfallen, sagt Weitkamp: „Valide Diagnose- und Therapieempfehlungen, die sich in der Praxis bewährt haben, liegen vielfältig und auf allen Teilgebieten vor. Evidenzbasiert ist in der Tat – wie in der Medizin auch – nur weniges. Den Forschungsaktivitäten sind keine Grenzen gesetzt. Sich aus momentanen wirtschaftlichen oder anderen opportunen Gründen von der medizinischen Basis unseres Heilberufs wegzubewegen, zum Beispiel mit Feststellungen in der Kieferorthopädie, man betreibe vor allem ‚KfO-Wellness-und -Schönheit‘, ist eine gefährliche Option, vor der ich nur dringlich warnen kann!“

Einen Kommentar schreiben