Die Zahl der Zahntechniker wird sich bis 2018 nochmals halbieren

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Industrie wird immer mehr zum Konkurrenten des Dentallabors – DZW-Workshop Zukunft Zahntechnik öffnet auch Chancen

Seit Jahren führt die DZW-Redaktion mit Zahntechnikern und den Unternehmensberatern Rolf Frischherz, Langenthal/Schweiz, und Rudolf Weiper, Basel, regelmäßig „Workshops Zukunft“ zur Entwicklung in der Zahntechnik durch. Als wir vor zehn Jahren dabei herausarbeiteten, dass die Zahntechnik-Preise um 30 Prozent einbrechen werden, führte dies angesichts der „BEL-Höchstpreisliste“ zu ungläubigem Staunen. Es ist ebenso Realität geworden wie der Einzug von Hightech, die im Labor den „Zahntechniker“ zu verdrängen droht, oder wie die Entwicklung hin zu Groß-Strukturen in der ZE-Fertigung. Beschleunigt wurde der Prozess mit Einführung des ZE-Festzuschuss-Systems, das eine neue Dimension der Patientenberatung erforderte und zu einem hohen Preisbewusstsein beim Versicherten führte. So zeigen die Ergebnisse aus Arbeitsgruppen im DZW-Workshop Ende Mai 2008 (der ausführliche Bericht folgt in der DZW-ZahnTechnik 8–9/08, die der DZW-Ausgabe 36/08 beiliegen wird), dass der Zahntechnikmarkt nicht nur statistisch in den Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), sondern auch um etwa 25 bis 30 Prozent in den Betrieben geschrumpft ist, aber vor allem die Erträge in den Laboren durch eine veränderte Auftragsstruktur dramatisch gesunken sind.
Regional wurde ein Rückgang der Prothetik von bis zu 50 Prozent wahrgenommen. Einige Laborinhaber berichteten, dass Reparaturen bis zu 60 Prozent der Arbeiten ausmachen würden. Ein klarer Trend hin zu Nichtedelmetallversorgungen wurde ebenfalls festgestellt. Zum Teil sei der Anteil der Prothetik am Umsatz der Zahnarztpraxis gleich geblieben, ja sogar auch angestiegen, was bedeuten würde, dass die Zahntechnik-Preise gesunken sind und/oder Arbeiten importiert oder von der Maschine übernommen wurden.

Rund ein Viertel der Laborinhaber berichtete, der Anteil des „weißen Zahnersatzes“ wachse, an vielen Laboren gehe diese Entwicklung aber auch vorbei. Den Gesamtanteil der Vollkeramik schätzen Zahntechniker auf 25 bis 30 Prozent, konzentriert auf bestimmte Praxen. Hier beklagen die Zahntechniker die Konkurrenz der Fräszentren, besonders jene aus der Dentalindustrie. „Aus unseren Lieferanten werden Konkurrenten um die Arbeiten aus der Zahnarztpraxis.“ Mit der digitalen „Full mouth impression“ werde der Trend nicht nur verstärkt, zunehmend stelle sich nun die Frage, ob der Zahnarzt noch den Zahntechniker brauche. Mit neuen Materialsystemen, zum Beispiel dem „Laser-Melting-Verfahren“, könnte die Industrie die ZE-Fertigung weiter an sich ziehen. Entwicklungen, die befürchten lassen, dass sich in den nächsten zehn Jahren bis 2018 die Zahl der Zahntechniker sich nochmals halbieren werde.

Voran die Unternehmensberater orteten in den Dentallaboren weitere Einsparpotenziale, vorrangig im Personalbereich. Ein Personalkostenanteil von 50 Prozent sei viel zu hoch, allenfalls inklusive des Geschäftsführergehalts des Laborinhabers dürften es 37 Prozent sein, die Materialkosten dürften einschließlich Edelmetall höchstens 20 Prozent betragen. Ihre Zukunft sahen im DZW-Workshop viele Laborinhaber in den „komplexen Arbeiten, in der engen Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt in der Implantologie, bei Allergiepatienten, Kiefergelenkproblemen etc.“.

DZW-Workshop-Zukunft-Partner Alfred Neumann, Hilden, brachte es auf den Punkt: „Den Trumpf für das deutsche Zahntechnikerhandwerk wird man durch nichts ersetzen können, denn die wohnortnahe Versorgung in Abstimmung mit den ansässigen Zahnarztpraxen ist die Voraussetzung für eine gute Beratung, Problemlösung, Behandlung und Detailanpassung. Sie bietet zudem eine unkomplizierte zahnmedizinische Rundumversorgung, einschließlich Vor- und Nachbehandlung bei hoher Qualität und Gewährleistung.“

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